Zur Schau gestellt

  /  23.05.2013

In den heiligen Hallen eines Museums begegnet man jeder Statue und jedem Ausstellungsstück mit einer gehörigen Portion Respekt. Nicht weniger davon sollte man gegenüber den derzeitigen Fashion-Exponaten im Grassi Museum und Bayerischen Nationalmuseum haben.

United Nude feat. Iris van Herpen und Lady Gaga

Portefeuille aus dem Jahr 1750

v. li. Masaya Kushiono; Paul Schietekat

Arbeitsbeutel von 1780

v. li.: Shoise; Sol Alonso

Zeitschriftentasche von 1973

Lauren Tennenbaum

Henkeltaschen im Vergleich: um 1600 vs. 1960

Design by Svenja Ritter

Manche Frau besitzt Vitrinen und Schränke voller Kleidung, Taschen oder Schuhe und das zum begehbaren Kleiderschrank umfunktionierte Kämmerchen ähnelt einer Ausstellung verschiedener Styles, Looks und auch Fauxpas. Von einem Viertel davon kann und will man sich einfach nicht trennen, ein weiteres hat nicht selten schon einen musealen Charakter. Dass Mode schön zum Ansehen sein kann, beweisen zwei derzeit stattfindende Ausstellungen, die zwar unterschiedlicher Richtung sind, bei denen das Thema Fashion aber gleichermaßen Vorrang hat.

Heute ist sie bei den Frauen fast nicht mehr wegzudenken, wenn es um die Vervollständigung des Outfits geht: die Handtasche – eine Clutch zum kleinen Schwarzen, der Shopper für den Einkaufsbummerl-Look itself, der Jutebeutel für all die Hipster im Herzen, in London, New York oder Berlin. Aber wie kam die Tasche eigentlich zustande und wofür war sie früher einmal gedacht? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „Taschen – Eine europäische Kulturgeschichte vom 16. bis 21. Jahrhundert“. Wer also schon immer mal wissen wollte, was Kurfürsten für Jagdtäschchen trugen, wo Könige ihre Moneten aufbewahrten, welche Rolle das glitzernde Accessoire für die Frauen der 20er Jahre hatte und warum die Kelly Bag von Hermès als bekannteste Tasche der Welt gilt, der kann durch die 300 Exemplare der Ausstellung stöbern und wird von so mancher Geschichte sicherlich überrascht sein.

Während der Werdegang der Tasche in der oben beschriebenen Ausstellung eher rückblickend erzählt wird, geht es im Grassi Museum in Leipzig mit der Exhibition „Starker Auftritt – Experimentelles Schuhdesign“ ein bisschen futuristischer zu. Dort zeigen sich vor allem spacige Formen und Farben, minimalistische sowie extravagante Styles in rund 100 überraschenden Schuhkreationen aus aller Welt. Gefährlich hohe Stillettos, Absätze aus Pistolen, Clogs in Busenform oder Haifisch-Pumps: Die Auswahl zeigt Schuhe als Architektur im Kleinformat, wenn man so will, solche mit gesellschaftskritischem Potential, aber auch jene mit historischen Bezügen. Manche sind sogar kaum noch als Schuhe erkennbar, ein zweiter Blick lohnt sich also in jedem Fall. Hier wird klar, was ein Schuh alles sein kann – ein Kunst-, ein Sozial-, ja, sogar ein Fetischobjekt. Und wenn das Finishing aus futuristischen Stoffen, Keramik, Glas, Holz, Papier, Lack und Leder sein übriges tut, dann kann Mann wie Frau den Blick sicher schwer abwenden. Obwohl es heißt: „Es weiß niemand besser, wo der Schuh drückt als der, der ihn trägt“, sind die Stücke fast zu schon zu schade zum Tragen.

Ausstellung: „Taschen – Eine europäische Kulturgeschichte vom 16. bis 21. Jahrhundert“
Ab sofort bis zum 25. August 2013
Bayerisches Nationalmuseum
Prinzregentenstraße 3
80538 München

Ausstellung: „Starker Auftritt – Experimentelles Schuhdesign“
Ab sofort bis zum 29. September 2013
Grassi – Museum für Angewandte Kunst
Johannisplatz 5-11
04103 Leipzig

Lara Schotten