Zukunftsvision mit Überraschungseffekt

  /  11.12.2012

Auf der ständigen Suche nach Trends und nach jenen, die es werden wollen, trifft man auf viele unerwartete, teils verrückte Kombinationen – manche kann man, andere muss man vielleicht gar nicht verstehen. Wir riskieren einen Blick in Richtung Zukunft, genauer gesagt auf den Herbst/Winter 2013/14.

Man ist immer wieder überrascht, wie weit Designer und Einkäufer im Voraus planen müssen. Schon jetzt kristallisieren sich erste Strömungen für die Saison Herbst/Winter 2013/14 heraus – vier Haupttrends, die von vielerlei Themen, Farben und Orten aus aller Welt inspiriert wurden, möchten wir euch innerhalb der nächsten zwei Wochen vorstellen.

Wenn es um Mode geht, dann kennt kaum jemand Grenzen, sei es in Form oder Farbe und kaum ein Thema – ob Tabu oder nicht – war nicht mindestens schon ein Mal auf dem Tisch oder besser auf dem Laufsteg. Verblüffen kann sie uns trotzdem immer wieder, so trifft sie auch mit dem ersten so genannten Trend dieser Reihe einen Nerv. „Spontaneous Ethical“ nennt sich die Strömung, bei der zwei Welten aufeinanderprallen und sich, anstatt sich gegenseitig auszuschließen zu einer neuen verbinden.

Man nehme: eine ordentliche Portion Street Culture, hier den so genannten Grunge-Look. Da denkt man wahrscheinlich erstmal an dunkle Farben, roughe Nieten-Styles oder Emo-Foto-Prints und irgendwie will einem das Wort schmuddelig auch nicht so recht aus dem Kopf gehen. Ein bisschen klischeebeladen, denn vielmehr wirkt der Look spontan, ein wenig willkürlich, aber trotzdem rund um einheitlich. Was die Grundhaltung dieser einstigen Underground-Kultur ausmacht, ist der Wunsch nach Einzigartigkeit; das für das Auge vielleicht zunächst Unästhetisches auf eine eigene Art und Weise ästhetisch zu machen; zeigen, dass nicht die Mode uns voneinander trennt, sondern lediglich die Einstellung ihr gegenüber.

Kombiniert wird das Ganze im kommenden Herbst/Winter mit einem Style, der dem vorherigen kaum gegensätzlicher gestimmt sein könnte. Zur Grunge-Portion gebe man eine große Prise Romantik, Pastelltöne, warme Farben und leichte Materialen. Dieser Mix von zart und fließend mit kräftig und fast schon stählern ist genau der Überraschungseffekt, den die Mode aus dem – wie passend, wenn es um Grunge geht – Hut zaubern will. Man soll ein kariertes Nietenhemd mit einer leichten Seidenhose, die grobe Lederjacke mit einem zarten Pastellrock, eine destroyed Jeans mit einer Kaschmir-Weste kombinieren? Klingt nach Watte mit Holz, wie ein lieblicher Vogelgesang begleitet von einem Schlagzeug? Genau so soll es sein, denn Gegensätze ziehen sich an und sorgen im kommenden Herbst/Winter für eine Verbindung mit Pepp.

So verwandelt sich Grunge in Soft Grunge, rebellisch wird es lediglich auf verträumter Ebene und zur Zartheit kommt ein Touch Wildness hinzu. Gemixt wird alles, was nicht offensichtlich gemixt werden müsste und dabei verschwimmen Grenzen, verschmelzen Stilrichtungen, werden Klischees überwunden. Das zeigt sich auch an der Farbfront: sommerliche und warme Nuancen, Gewürztöne und Indian Summer-Colours verbinden sich mit den sonst so kalten Grau-, Beton- und Graphittönen. Sich mal nicht auf das Offensichtliche festzulegen, sich nicht einem einzigen Style zu verschreiben und damit Normen und Grenzen trotzen – das erwartet die Mode laut der Studie „Ein kreativer Ausblick“ des Pariser Trendbüros Carlin International in naher Zukunft.

Lara Schotten