Von Bolzplätzen und Leidenschaft
/ 27.06.2010Was wäre Fußball nur ohne Bier, Trikots, Pokal und Rasen? Langweilig? Eben nicht! Das beweist uns der Bildband „African Arenas“ auf ganzen 144 Seiten. Da schlagen selbst Männer mal ein Buch auf.








68 bis 70 cm Umfang, ein Gewicht zwischen 410 und 450 g, kugelförmig, aus Leder - der Fußball. Was Männern oft die Welt bedeutet, ist Frauen in der Regel ein Graus. Zur WM ist aber alles anders. Ganze Frauen-Cliquen gehen in Fan-Montur zum Public Viewing, um Deutschland anzufeuern. Aber ganz unabhängig davon, wer den Pokal tatsächlich mit nach Hause nimmt – einen Gewinner gibt es schon jetzt: Afrika. Selten stand der Kontinent so im Fokus der Medien und war so vereint, denn die Begeisterung für Fußball teilen ausnahmslos alle Nationen. So hat Südafrika eigens zur WM zehn Stadien neu oder umgebaut. Allen voran „Soccer City“ am Rande Sowetos mit einer Kapazität von über 84.000 Zuschauern.
Dass so nicht alle Stadien aussehen, kann man sich denken. Ein genaues Bild aber, wie und wo jenseits der Austragungsorte Fußball gespielt wird, gibt das Buch „African Arenas“ von Thomas Hoeffgen. Seit der Mode- und Werbefotograf 1999 zum ersten Mal nach Nigeria reiste, ließ ihn die Leidenschaft, mit der die Afrikaner teilweise unter widrigsten Bedingungen den Ball tanzen lassen, nicht mehr los. Im Laufe der nächsten zehn Jahre entstanden so zahlreiche Fotografien von Stadien und Spielern in Namibia, Nigeria, Simbabwe, Südafrika, Malawi oder Botswana. Die Aufnahmen bestechen vor allem durch ihren minimalistischen, reduzierten Stil und ihre Natürlichkeit.
Keiner scheint Thomas Hoeffgen bemerkt zu haben, keiner verstellt sich. Und so bleibt auf den Bildern nur das Essenzielle enthalten, nämlich die Begeisterung für das Fußball-Spiel, das für die jungen Afrikaner Freiheit, Miteinander und vielleicht sogar die Chance auf einen sozialen Aufstieg, den Sprung nach Europa bedeutet. Auf 144 Seiten finden sich 81 Fotografien von Orten, die diese Hoffnung widerspiegeln - ob sie nun auf saftig grünem Rasen keimt, in umzäunten Betonbauten mit Flutlichtern oder auf Sandbolzplätzen mit gerade mal zwei Holzpflöcken als Torbegrenzung. Übrigens: Weil auch das Label Alberto die Leidenschafft Hoeffgens teilt, hat die Mönchengladbacher Marke die Entstehung des Bildbandes kurzerhand mit Hingabe und finanziellen Mitteln unterstützt.
„African Arenas“ ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und im Buchhandel für 29,80 Euro erhältlich. Und weil das Thema einfach zu schön und durch die WM so aktuell ist, zeigt die Deutsche Akademie für Fußballkultur bis zum 18. Juli 2010 die Original-Aufnahmen in einer Ausstellung.


