Um Kopf und Kragen

  /  13.11.2012

Wie sehr er doch nervte, der Kragen, der am Kinderhals meist aussah wie ein Lätzchen. Aber entgegen aller Proteste waren sich Oma und Mutter einig, ein Kragen muss her! Doch was man früher nicht verstand: Er war schon immer ein Accessoire, das die einen quälte, aber die meisten schmückte…

Damit kann man glänzen: die Kragen von Dimitri

Filigraner Halsschmuck von Rita in Palma

Hier der Bubikragen von Drykorn - in der Ledervariante

Wer zum Thema Kragen auf jeden Fall etwas zu sagen hat: Karl Lagerfeld

Rita in Palma kann auch etwas mehr edgy

Fairly setzt auf Fell...

...und Strass

Zara kombiniert beides und Bershka geht mit dem Nietentrend

Ein klassisch gehäkelter Kragen? Aber bei Shokay mit Perlen bitte!

Strass und Perlen dürfen auch bei Karl Lagerfeld nicht fehlen

Welche junge Frau erinnert sich nicht gern an ihre Kindheit zurück: das Oilily-Kleid mit den dazu passenden Schuhen, kleine Blüschen mit Puffärmeln und Rüschen, Omas selbst gestrickte Pullover und dazu ein Faltenrock. Was wären all diese Outfits, darunter sicher auch der ein oder andere Modefauxpas, ohne den heiß geliebten Kragen? In weißer Spitze, rund, hochgeschlossen, blumenblätterförmig – fehlen durfte das gute Stück an keiner Montur, die im Schrank zu finden war. Zum Spielen denkbar hinderlich, oft viel zu eng und ständig verrutschend, war er für die meisten Kinder womöglich eine Last, für die Mütter wahrscheinlich die reinste Zierde.

Doch was in Kindertagen so oft verschrien wurde, ist heutzutage wieder genau das: der letzte Schrei. Weit entfernt vom stehenden Polohemdkragen, ob mit Spitze, aus Strick, mit Perlen und Steinen besetzt, gehäkelt, gesponnen, groß und auffällig oder klein und dezent – da ist für jede Kragenweite etwas dabei. Dazu zeigt das neue Must-have wahre Anpassungsfähigkeit an die eigene Garderobe und erweckt in Kombination mit einem Pullover oder einem schlichten Rundhals-Shirt die 60er Jahre zum Leben, der Bubikragen beschwört die Goldenen 20er herauf und auch der so genannte Vatermörder – ein hochgeschlossener Stehkragen – hat, wie der an Graf Dracula erinnernde Oratorianerkragen, seine Biederkeit schon längst verloren.

Der Kragen in jeder Form und jedem Schnitt hat also eine lange Tradition, war mal mehr, mal weniger verpönt, mal Zeichen für Wohlstand, mal Indikator für den Berufsstand, mal reines Schmuckstück statt Kette oder Tuch. In der Fashion-Branche bahnt er sich gerade seinen Weg an die Spitze und etabliert sich zum absoluten Key Piece. Mit jedem extravaganten Kragen gibt der Träger/die Trägerin jedoch nicht nur ein echtes Stil-Statement ab, sondern zeigt in gewisser Weise auch ein Stück Humor – um es mit den Worten von Joachim Ringelnatz zu sagen: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ Mutti wäre stolz.

Lara Schotten