Trag, was du denkst
/ 30.10.2012Eine junge Dame überquert die Straße, eine hautenge Leggings tragend, schwarz und schlicht, wie es zunächst von vorne scheint. Doch kaum dreht sie sich um, sieht es ganz anders aus: Sie trägt zwei große Maschinenpistolen auf der Rückseite ihrer Hose – da bekommt Fashion Victim eine völlig neue Bedeutung…

Scary Movie oder Scary Fashion?

Für diese Leggings braucht man einen Waffenschein

Der Teufel steckt im Detail

Man trägt, was man denkt




„Free your mind“, „be individual“, Sätze einer vergangenen Epoche, die ihre Inspiration in der Mode und der Anti-Haltung gegenüber allen bestehenden Grenzen gefunden hat: die Hippie-Zeit. Was mit viel Farbe, Flower Power und einer Menge Freigeist angereichert wurde, stand – und steht wohl noch immer – für Individualität, Offenheit und wertungsfreies Denken. Für das Label Pardon Le Dopeness ein gefundenes Fressen, denn obwohl die Designer des Brands mit denselben Werten und Grundsätzen arbeiten, könnte ihr Ausdrucksstil nicht gegensätzlicher sein.
Pardon Le Dopeness wurde 2009 in Toronto gegründet, 2010 erschien die erste kleine Kollektion, dahinter stand jedoch eine groß anvisierte Idee: Den Geist nähren und die Sinne erweitern, denn nur, wer sich selbst akzeptiert, kann auch inneren Frieden finden. Auf den ersten Blick sehen die Kollektionen allerdings nicht so friedlich, sondern eher ein wenig rebellisch aus: vielleicht einen Touch zu verrückt, eine Prise zu düster und einen Funken zu sehr Heavy Metal. Schriftzüge wie „Satan“ oder „Up Fuck Shirt“ prangen auf den Tees und Tops, Maschinengewehre und Totenköpfe zieren eng anliegende Leggings. Dabei geht es dem Label nicht um Gewalt oder Provokation, sondern um das Recht des Einzelnen, tragen zu können, was er denkt, fühlt oder wer er ist, ohne dafür verurteilt zu werden.
Stellt sich nur noch die Frage: Was bedeutet eigentlich der Name? Darin steckt wohl ein wenig Ironie, denn um Pardon wird hier nicht wirklich gebeten. Und dafür, dass jeder trägt, was er will, soll der Idee zufolge auch nicht um Verzeihung gebeten werden – mit den ganz eigenen Worten des Labels, „das eigene Leben ausgedrückt durch Mode“. Dabei ist nur zu hoffen, dass nicht in jedem Träger des „Satan“-Tees auch wirklich ein solcher steckt.


