Tipp der Redaktion: Mensch wird Maschine

  /  24.06.2010

Was man bislang nur von ausgedienten Maschinen und alten Motorrädern kannte, hält nun Einzug in unsere Kleiderschränke! Ärmel, die an Prothesen erinnern, werden nun morgens umgeschnallt, um gerüstet zu sein für den Tag – androidengleich!

„Diesmal beginnt alles in einem Traum. Der Android verliebt sich in die Primaballerina. Doch die physische Unmöglichkeit von Liebe zwischen den konträren Wesen lässt die Gestalt der nur scheinbaren Maschine buchstäblich zerbrechen. Als würde sich ihr also doch vorhandenes Inneres im Äußeren zeigen. Damit eins sein.“ 

Was klingt wie ein futuristisches Märchen für Erwachsene, ist in Wirklichkeit die Beschreibung der zweiten Kollektion von Designerin Miriam Schaaf, die sich von der konventionellen Lieferung im Frühjahr und Herbst verabschiedet und beide Jahreszeiten für 2011 rigoros in einer Linie zusammenfasst. Dass die Kreationen der Münchenerin im Winter genauso wie im Sommer funktionieren, spiegelt gleichzeitig den Code ihrer Designs für 2011 wider: Gegensätze im Einklang. 

Doch auch jedes einzelne Teil der neuen Range zeigt, dass Miriam Schaaf mit ihrem 2008 gegründeten Label Schaaf nicht gerne auf ausgetretenen Modepfaden wandelt. Denn die Kollektion inszeniert die „Romantik“ der „Terminator“-Filme I bis VI auf ihre Weise und huldigt unter dem Namen „You’re a Woman, I’m a Machine“ der eben doch zu Empfindungen fähigen Mensch-Maschine. Daher verwundert es keineswegs, dass als visuelle Inspiration für die Kreationen sowohl Körperprothesen als auch ausgediente Maschinen und alte Motorräder Pate standen. Ein Umstand, der auch auf den Kollektionsbildern schnell klar wird, die Models beispielsweise mit einzelnen Ärmeln zeigen, angeschnallt wie eine Prothese. Weiteres Beispiel: Ein durchsichtiges Sakko, das ausnahmsweise mal in Augenschein nehmen lässt, was sich unter dem Stoff verbirgt – nämlich Nähte und ausgefranste Stoffenden, die man sonst nicht sieht, „weil die Illusion klarer Definition und Perfektion normalerweise nicht zerstört wird“. Miriam Schaaf tut das trotzdem und will mit „Your’re a Women, I’m a Machine“ das ewige Spiel der Mode und vielleicht auch allen biologischen Lebens auf ihre ganze eigene Art realisieren. Das tut sie unter der Verwendung von Materialien wie Wolle, Viskose und Seide, ebenso kommen Baumwolle und Polyurethan-Beschichtungen zum Einsatz – vorzugsweise in Schwarz, Weiß, Hellgrau und Rosé, eben passend zum Thema.

Mit rund 20 Teilen ist die Kollektion überschaubar gehalten, verspricht durch die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Stücke aber eine „unbegrenzte Potenzierung“. Miriam Schaaf, die in der Vergangenheit bereits Preise wie den „Best Menswear Award 2008“ oder den „Best Textile Innovation Award 2006“ einheimste, verkauft ihre neue Range voraussichtlich ab Juli 2010 über ihren eigenen Online-Store sowie über wenige Offline-Stores.

Simone Reiner