So benehme sich ein Sneaker!
/ 04.12.2013Wenn jemand auf die Idee käme, Benimmregeln für die Modewelt aufzustellen, dann würde man die Fashion-Welt um viel Interessantes, Farbenträchtiges und Kontroverses bringen. Eine Anstandsregel hat sich bei den Styles des folgenden Designers allerdings eingeschlichen…










Ein beliebtes Lernspiel im Englischunterricht ist Odd man out – welche der folgenden Aussagen passt nicht in die Kette: Mode ist künstlerisch. Mode ist extravagant. Mode ist frech. Mode ist lehrreich. Erwischt! In 90% der Fälle würde man mindestens den letzten Satz als „unwahr“ bezeichnen, dabei zeigt die neue Kollektion von Peter Schmid, dass insbesondere diese Aussage sogar ziemlich wahr ist. Der Designer, der mit namhaften Marken wie Puma, Donna Karan, Jil Sander und Alexander McQueen zusammen gearbeitet, 2003 sein eigenes Brand und schließlich 2009 eine eigene Schuhmanufaktur gegründet hat, beweist, dass alle oben getroffenen Aussagen auch für seine Modelle gelten.
Für Frühjahr/Sommer 2014 nimmt uns der Kreative mit auf eine Zeitreise, die 1860 mit der Erfindung des Kollektionsherzstücks, dem Sneaker, beginnt. Die so genannten Plimsolls, nach dem Erfinder der Ladelinie bei Schiffen – Samuel Plimsoll – benannten Modelle entwickelten sich über die Jahre immer weiter, sind seit den Kollektionen von Keds und Converse Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken und wurden dank Teenie-Idol James Dean nicht nur „in“, sondern für eine ganze Generation zu einem Instrument. Diese „Turnschuhgeneration“ revoltierte damit nämlich gegen das Erwachsenentum, das sich unter anderem durch glanzpolierte Lederhalbschuhe auszeichnete. Ab den 80ern war der Sneaker dann höchst offiziell akzeptiertes Freizeitmodell, heute kehren neben modischen Erschienungen wie Sneaker-Wedges immer wieder die guten alten Klassiker zurück.
Abgesehen von der Geschichte des Schuhs, der den Spagat zwischen Sport und Lifestyle geschafft hat, erzählen die Modelle von Peter Schmid noch eine andere Geschichte. Zwar zieren aktuell unabdingbare Details wie Nieten und Zipper die Styles, kommen mit Metallic-Finishings, Animal-Prints, Camouflage- und geografischen Drucken daher, doch wer genauer hinsieht, der entdeckt dabei sicher noch das eine oder andere recht ungewöhnliche Feature. Inspiriert von der Lausbubengeschichte des Struwwelpeters zeigen sich kleine Scheren auf den Modellen und umrahmen neben dem Slogan „Benimm dich“ einen Text, bei dem ein Herr Knigge eine entscheidende Rolle spielt. Adolph Friedrich Freiherr von Knigge hat in seinem 1788 erschienen Werk „Über den Umgang mit Menschen“ einen höchst pathetischen Ansatz über das richtige Verhalten verfasst, der da lautet: „Schreibe nicht auf deine Rechnung das, wovon andern der Verdienst gebührt!“ Recht hat er und so gebührt dem Designer vielleicht nicht die Idee dahinter, dafür aber die, den Menschen das Ganze auf eine etwas spezielle Art und Weise ins Gedächtnis zu rufen. Solange man kein „Hans guck in die Luft ist“, sollte das klappen…


