Second Life
/ 05.08.2014Während Billigtextil-Unternehmen die Begriffe Fast-Fashion und Wegwerfmode prägen, macht sich hierzulande eine Gegenbewegung breit mit einer zwar friedlichen, aber sehr klaren Kampfansage gegen Produktionsmüll und Kollektionen im Sekunden-Takt…

Goodone

Goodone

Goodone

Wilfried Pletzinger

Wilfried Pletzinger '

Wilfried Pletzinger

Pet Petits

Pet Petits

Pet Petits
Nachdem glücklich gewachsene Baumwolle und veganes Design bereits im modischen Mainstream angekommen zu sein scheinen, erreicht uns nun die nächste Welle ethisch verantwortungsbewusster Mode, die ganz im Zeichen „Aus alt, mach neu und besser“ steht. Die Rede ist von Upcycling. Anders als beim Recycling laufen die wieder verwertbaren Rohstoffe nicht über die Bänder diverser Entsorgungsunternehmen, sondern wandern direkt in die Hände von Designern, die Stoffreste und Verschnitte sowie eher unübliche Produkte wie Autoreifen und Tetra Paks zu Kleidung und Accessoires aufwerten. Auch wenn es anfangs ein wenig befremdlich wirken mag, überzeugt am Ende häufig sowohl die Methodik als auch das Ergebnis, denn die Designs von Good One, Wilfried Pletzinger und PET Petits wirken nicht so als würden sie im wahrsten Sinne des Wortes gerade aus der Tonne kommen. Willkommen in der Welt von Schrott-á-Porter, in der sich modernes Upcycling-Deluxe als stylische Gegenbewegung zu Wegwerfwahn und Konsumrausch etabliert und mittlerweile auch große Textilunternehmen in seinen Bann zieht.
Das englische Label Good One hat jüngst bewiesen, dass Upcycling-Mode mehr kann, als dem Träger ein gutes Gewissen zu verschaffen, denn durch Kollaborationen mit großen Modehäusern und Marken wie Topshop, Puma oder Asos zeigte die Designerin Nin Castle, dass die Aus-alt-mach-neu-Attitüde durchaus auch Potenzial für massentaugliche Mode hat. Das Sportswear-Brand überzeugt vor allem durch geradliniges Design, Materialkombinationen und klare Formen, die aus Verschnitten und Produktionsresten großer Textilhersteller entstanden sind – sogenannte Pre-Consumer-Abfälle. Sowohl feine Jerseys und Seide als auch hochwertiger Strick bestimmen die farbenfrohen Kollektionen der Britin, die schon mehrfach ausgezeichnet wurde und 2011 selbst in der Jury des Ethical Fashion Forum saß.
Etwas extravaganter geht es bei dem Re-Designer Wilfried Pletzinger zu, der sich vor allem mit Altkleidern beschäftigt, für die der Endkonsument keine Verwendung mehr hat – sogenannte Post-Consumer-Abfälle. Der Berliner Mode-Individualist entwirft größtenteils Einzelstücke aus getragener Sportbekleidung der 70er, 80er und 90er Jahre, die er auf Flohmärkten oder in Secondhand-Läden findet. Während der 90er Jahre entwarf der studierte Designer vor allem Clubwear für die neue Technobewegung in Berlin. Auch heute noch sind seine Designs bunt, laut und gewagt – aus Trainingsanzügen entstehen Abendkleider und aus Jogginghosen werden Cocktailkleider – Vintage at it’s best.
Eine ganz andere Geschichte erzählt das Label PET Petits, dessen elegante Schmuckstücke nur schwer eine Vergangenheit als Brauseflasche erahnen lassen. Der Designer Sir Henry stellt aus Plastikflaschen zarte und verträumte Armbänder her, die ähnlich einer Plastiktüte rund 400 Jahre brauchen werden, um sich komplett zu zersetzen. Doch im Gegensatz zur Tüte ist es nun Schmuck für die Ewigkeit.


