Schauenspektakel

  /  18.07.2023

Neben den Berliner Modemessen fanden im Rahmen der Berlin Fashion Week im Juli 2023 auch zahlreiche Fashion Shows statt, an teils ausgefallenen Orten und mit extravaganten Kollektionen. Eine Auswahl...

©Chris Gonz

Von bunt bis komplett schwarz, von klassisch bis extravagant und von positiven Vibes bis hin zu Weltschmerz - die Schauen während der Berlin Fashion Week zeigten sich im Juli 2023 nicht nur im Hinblick auf die Locations vielseitig...

Beverly Hills in Berlin


Kilian Kerner präsentierte in der Verti Music Hall seine neue Kollektion „Beverly Hills 2023.“ beim zweiten W.E4. Fashion Day – zum ersten Mal auf einem runden, 125 Meter langen Laufsteg. So außergewöhnlich wie der Catwalk waren auch die 60 Looks, die den Beverly Hills-Vibe nach Berlin transportierten. Der Berliner Designer überraschte mit einem außergewöhnlichen Materialmix: Luxuriöse Stoffe mit starken Farb-Kombinationen und Popcorn-Prints machen aus klassischen Schnitten gepaart mit Brüchen und Details raffinierte Day- und Night-Looks. Kerner arbeitet mit transparenten Stoffen mit Strass und aufgesetzten Blumen, Pailletten auf Denim, Tüll und Lederimitaten. Geraffte Hosenbünde, halbe und gedrehte Kragenlösungen und lange Abendkleider treffen auf kurze Miniröcke und -kleider. „Beverly Hills 2023.“ überrascht zudem mit Design-Elementen wie dekonstruierten Hemden und Blusen sowie mehrlagig gerafften Tüll-Kleidern.

©Getty Images
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Ein Liebesparadies


Danny Reinke entführt mit seiner Kollektion in den „Lustgarten“. Die Range ist eine mode-gewordene Illustration des Triptychons „Garten der Lüste“ des niederländischen Malers Hieronymus Bosch. Sie übersetzt das Werk in ein utopisches Traumbild, ein Liebesparadies, in dem die Sexualität von positiven Emotionen getragen wird. Rosé-Töne sind die Kernfarben, kombiniert mit Blau, Brün, Greige und Weiß. Die zarte Farbpalette findet sich hauptsächlich auf Seidenstoffen wie Dupion, Satin und Chiffon wieder. Ein Kernelement sind die eigens erstellten Prints, für die als Vorlage das Gemälde „Garten der Lüste“ diente. Jedes Kleidungsstück wird in Handarbeit im Berliner Atelier gefertigt; für die neue Kollektion zählte Reinke erstmals eine Couture-Schneiderin aus Paris zu seinem Team. In dieser Zusammenarbeit entstanden Key Pieces wie ein Dress aus über 300 von Hand gehäkelten Blüten und Blättern oder ein rosa Tüllkleid.

©Sebastian Reuter Getty Images
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Eine Reise über den Regenbogen


Die Kollektion „Somewhere over the Rainbow“ von Marcel Ostertag lädt dazu ein, uns an unseren Lieblingsort zu träumen, negative Erlebnisse und Gedanken zurücklassen und einen Neustart wagen. Man soll wieder Mensch sein, eine selbstbewusste Person, die sich aufzufallen traut, durch positive Eigenschaften und bunte Farben. Wir haben die Kraft, Schönes zu erschaffen – Musik, Kunst, Literatur und Mode. Warum also nicht den ersten Schritt auf den Regenbogen wagen?

Die Kollektion basiert auf drei Prints: Den ersten, inspiriert von Mosaiksteinen, setzt der Designer auf oversized Blazern, überlangen Bootcut-Hosen und Seidenkaftanen ein. Der zweite Druck lässt imposante Blütenformationen auf einem pinken Untergrund erkennen. Der dritte Print, eine abstrakte Streifenkombination, ist für Ostertag die künstlerisch interpretierte Darstellung eines Regenbogens, auf Trenchcoats, Blusen, Hosen und Kleidern. In diese farbenfrohen Modelle reiht sich eine Auswahl an im Berliner Atelier von Hand besticken Couture-Stücken ein. Ostertag verschafft seinen Musen Gehör, indem er auf Pailletten kleine Glöckchen stickt. Passend dazu reihen sich Fransen aus Strass und Glitzerelementen an die Säume der Röcke und Tops. Baumwolle, Seide, recycelter Polyester, Viskose, Bambus und Modal geben den nachhaltigen Material-Ton an.

Für den W.E4. Fashion Day Nr. 2 haben sich Danny Reinke, Kilian Kerner, Marcel Ostertag und Rebekka Ruétz erneut zusammengetan, diesmal unter dem Motto „We fight cancer“. Gemeinsam mit der DKMS und der Deutschen Krebshilfe starteten die Kreativen eine groß angelegte Kampagne und widmeten ihre Veranstaltung am 11. Juli 2023 den beiden Organisationen.

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Nah beieinander


„30 Tage können wir ohne Nahrung überleben, 3 Tage ohne Wasser und nur 3 Minuten ohne Luft.“ „Air“ ist Anja Gockels Würdigung dieses wichtigsten und gleichzeitig unsichtbaren Elements. Die Show zeigte die Leichtigkeit, das Glück, das in der Luft liegt und kontrastierte sie mit der Lebenswirklichkeit im Jahr 2023. „There is no planet B“ schwebt bedrohlich über uns – egal welcher politischen Couleur, Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft. Anfänglich wehten florale Stoffe eine milde Sommerbrise auf den Laufsteg. Die eigens für die Show komponierte Musik von Valentin Brunner fing die Idylle mit Vogelgezwitscher ein. Die Outfits: Ein Spiel der Leichtigkeit in Farben von Salbei über Rosé bis zu Blautönen. Bis schwarze Tüllschwaden einen Bruch andeuteten. Stürme zogen auf – akustisch und visuell: aus dem leichten Windspiel entsteht ein Unwetter und nasse, dunkle Silhouetten zeigten, wie nah Harmonie und Zerstörung unserer Erde nebeneinander liegen.

Vögel im Aquarium


Die Berliner Designerin Esther Perbandt zeigte ihre neue Kollektion „Concrete Jungle“ in Kooperation mit Acht Berlin. Das Acht Berlin-Gebäude in der Schönhauser Allee 8 ist ein innovativer Ort für Kreative, ein fünfstöckiges Bauwerk, das modernes architektonisches Design mit dem kulturellen Erbe der Stadt verbindet. Betritt man das Haus, taucht man ein in eine Welt aus Beton und Schwarz, die passende Kulisse für die Marke und die Designerin, die dort schon viel Zeit verbracht und auch ihre erste, selbst organisierte Modenschau veranstaltet hat.

Mit einer Mischung aus leichten, durchsichtigen Stoffen hat Esther Perbandt für diese Sommerkollektion ihren Stil nahtlos umgestaltet und ihm einen Hauch von 80er-Jahre-Sexiness verliehen, wobei sie ihre schweren, skulpturalen Designs beibehalten hat. „Concrete Jungle“ ist eine Gegenüberstellung von Natur, verwoben mit der rauen Ästhetik von Brutalismus Architektur. An Alfred Hitchcocks „Vögel“ erinnernd, tauchen immer wieder Vögel in unterschiedlichsten Variationen auf. Präsentiert wurden die 18 Looks an in einem Lichthof stehenden Models, wie in einem Aquarium. An Bäume erinnernde Headpieces aus Haaren waren mit fliegenden schwarzen Heliumballons verbunden, die aus dem Lichtatrium nach oben ragten. Zwischen zwei Gingkobäumen sitzend, spielte Musikerin Susanne Szambelan auf ihrem Cello.