Probier’s mal mit Gemütlichkeit

  /  12.11.2013

…mit Ruhe und Gemütlichkeit… Wer hätte gedacht, dass sich dieser Dschungelbuch-Song einmal auf die Welt der Mode übertragen ließe? Mal ehrlich, der naheliegendere Satz „Wer schön sein will, muss leiden“ gilt nicht ohne Grund als Mantra, umso überraschender, dass folgender Trend beweist: Es geht auch anders!

Preach

Paramita

Freeman T. Porter; Antony Morato

Gucci

Free People; H&M

Mavi; Preach

Modström

Es ist wie es ist, der Deutsche ist ein Gemütlichkeitstier und das schlägt sich teilweise auch in seiner Garderobe nieder. Die schicken Italiener haben Tozzi und Gucci, legen großen Wert auf Schuhe, Gürtel oder aber Taschen aus Echtleder. Die Franzosen halten mit Charme à la Chanel, Dior und Hermès dagegen und wir Deutschen? Nun ja, wir haben zwar Joop, verloren aber Jil Sander an die Italiener und Karl Lagerfeld an die Franzosen. Nur einen konkret benennbaren Stil, den haben wir nicht, dafür haben wir es aber mit der Gemütlichkeit. Und während der „I get my coffe while I’m wearing jogging pants“-New York-Style in Berlin bereits aus Coolness- und Trend-, teilweise aber sicher auch aus Gemütlichkeits-Gründen Einzug erhalten hat, kommt die more fashionable-Variante nun auf die Laufstege und damit bald auf die Straßen dieser Welt. So könnte die Münchener Schickeria in diesem Style schon bald über die Maximilianstraße oder die „Kaufinger“ stolzieren, die Düsseldorfer über die Kö spazieren und die Hamburger über den Jungfernstieg flanieren. 

Weit gefehlt, wer mit dem Gedanken lediglich Hip Hopper wie Snoop Dog und Dr. Dre verbindet, sich Satin-Jogginganzüge und Mädchen in Nicki-Juicy Couture-Pants vorstellt. Die kreativen Köpfe dieser Branche haben sich überlegt: Wir heben das Niveau der Jogging-Hose und machen daraus das neue Item of the Season. So läuft die Dame von Welt künftig nicht mehr nur in Skinny Jeans, sondern spaziert, stolziert und flaniert mit mehr Beinfreiheit durch die Gegend – kombiniert mit Pumps und tailliertem Blazer für den eleganten Auftritt, ganz casual mit Boyfriend-Blazer, Mütze und Sneakers oder aber in der gemütlichen Variante mit Lammfellstiefeln, Hoodie und Bikerjacke. Letztere ist dann allerdings wirklich nur in der Freizeit oder im engen Freundeskreis und weniger für den Joballtag zu empfehlen. Wichtig bleibt jedoch bei jedem Look: Nicht das ausrangierte Exfreund-Sporthose vom Fußballclub des Heimatdorfes tragen, sondern das Geld in ein neues Objekt der Begierde investieren, das nicht ganz nach „Ich komm gerade vom Sportplatz“ aussieht. I don’t care ist nicht die Haltung, die die Mode hat, aber die, die sie damit möglicherweise auszudrücken versucht. Fragt sich nur: Who cares?

Lara Schotten