New York-Grown-Ups

  /  20.05.2014

„Nobody reads your f*cking Blog“ steht auf einem Shirt der Marke German Garment geschrieben - dieser Satz mag die New Yorker Illustratorin Jenny Williams wenig tangieren, denn Texte sind nicht unbedingt das, was im Fokus ihres Blogs zu finden ist…

© Fotos: Jenny Williams

© Fotos: Jenny Williams

© Fotos: Jenny Williams

© Fotos: Jenny Williams

© Fotos: Jenny Williams

Der Franzose Henri Stendhal hat einmal gesagt: „In England ist die Mode ein Gesetz, in Paris ist sie ein Vergnügen.“ Für New York hatte der Novellist offenbar keinen passenden Ist-Zustand in petto, umso freier scheint man selbige dort gern zur Schau zu tragen. Und dass der eigenwillige Stil der Big Appler bereits in jungen Jahren überraschende Formen annimmt, das zeigt der Blog der New Yorkerin Jenny Williams. Die studierte Illustratorin begann 2011 damit, die schillernden Gewänder ihrer Tochter und deren Freundinnen auf Papier festzuhalten und dokumentierte über „What my Daughter wore“ eindrucksvoll den modischen Werdegang heranreifender Teenies.

Eigentlich sollte der Blog nur für sie und ihre Tochter sein – das Time Magazine sah das jedoch ein wenig anders und wählte das zunächst private „Kunstexperiment“ 2013 unter die 25 besten Blogs des Jahres. Begründung: Es führe das luxusmarkenfixierte Posieren in den üblichen Modeblogs ad absurdum. Treffend formuliert, denn die kultigen Bilder noch kultigerer Kleidungsstilmixe wie Oversized Trikots mit Muccia-Aufdruck, an die 70ies erinnernde Anzüge, übergroße Kimonos mit Löwen-Print, knallige Sonnenbrillen oder ausgefallener Kopfschmuck mokieren auf ironische Weise teilweise ganz ernst gemeinte modische Strömungen. Was nach außen hin mit keinem Oberbegriff definierbar zu sein scheint, ist genau das, was den New York-Style von dem der Londoner oder Pariser unterscheidet. Ob dort Mode ein Gesetz ist, bleibt fraglich, gebrochen wird es jedenfalls mit Vergnügen.

Lara Schotten