Grobe Maschen - Feine Mützen

  /  08.04.2011

Sionyx hat schon Bommel-Mützen propagiert, als noch alle die bunten Irokesen-Styles toll fanden. Heute gibt es die grobmaschigen Modelle in fast jeder Kollektion, so dass die meisten schon gar nicht mehr wissen, wer’s eigentlich erfunden hat....

Von Kopf bis Fuß

Produkt-Samples

Ein Blick in den Sionyx-Katalog

Andrea Kämmerer

Andreas Wonderwall

Das Versandlager

Der Plotter

Unverkennbar

Andrea Kämmerer wirkt entspannt, die neue Kollektion ist fertig und gut verkauft worden. Auf ihrem Schreibtisch liegt eine neue Zeitung - der Titel: „Muh“. Das gefällt ihr. Underground mit regionalem Bezug, authentisch Traditionelles mit anarchischem Dreh - das entspricht ihr. Sie ist keine Draufgängerin, aber definitiv eine Frau der Tat. Denn so entstand schließlich auch ihre Marke: Als ihr 2003 in einer Garmischer Bar Jacke und Mütze gestohlen worden sind, griff sie selbst zur Stricknadel. Da es zu dieser Zeit noch wenig Wintermützen gab, die zu ihrem Stil passten, entstand ihr erstes grobgestricktes blau-weiss geschecktes Bommelmützen-Modell. Das schlug in ihrem Bekanntenkreis ein und zog Kreise – die lustigen Mützen hoben sich derart von den handelsüblichen Styles ab, dass sich daraus erst ein kleines, dann ein grösseres und letztlich 2004 endlich ein professionelles Business entwickelte. „Mir kam zu Gute, dass ich aus einer Strick- und Näh-Familie komme und eine Textil-Industrieschule besucht habe (Abitur-Abschlussnote 1,0),“ sagt die ehemalige Software-Entwicklerin, die es aus einem kleinen Ort im Böhmerwald, erst nach München und dann nach Wolfratshausen verschlagen hat.

Was als Spaß angefangen hat, ist inzwischen eine profilierte Mützenmarke, mit einer Produktrange von über 30 Mützen und 20 Stirnbändern, einer kleinen Kollektion an maschinengestrickten Funktions-Sportmützen, Accessoires wie Tüchern und Hals-Muffs, sowie eine Kollektion an Kapuzen-Sweatern und Tees, Strickjacken und Pullovern. Da die Mützen in Deutschland und ihrer Heimat handgestrickt und –gehäkelt werden, ist es sogar möglich, individuelle Kundenwünsche zu berücksichtigen und „diebstahlsicher“ mit Initialen zu versehen. Zum Einsatz kommen nur in Europa gefertigte Strickgarne, die sonst auch für Baby-Bekleidung verwendet werden. Speziell für diejenigen, die kratzempfindlich reagieren, wurden die Garne mit Aloe Vera ausgerüstet, was sie besonders weich macht. Die Oberteile sind bereits vorgewaschen und teilweise aus Organic Cotton.

Andrea Kämmerer liebt das Detail. Sie tüftelt an den Stickereien, bis sie auf den grobmaschigen Teilen wirklich gut aussehen und entwirft ihre Knöpfe selbst. Deshalb verkaufen sich auch die Teile bei Verkaufspreisen zwischen 29 Euro (Maschinenstrick) und 44 bis 59 Euro (Handstrick) gut. Sionyx ist in gut sortierten Trendsportfachgeschäften zu finden.

Was Andrea beim Snowboarden schon immer verwunderte, waren die Designs der Ski-Socken. „Die üblichen Ski-Socken waren mir einfach zu langweilig.“ Frei nach dem Motto-Maschen von Kopf bis Fuss, hat sie für Winter 2011/12 eine Sportfunktions-Socken-Linie entwickelt, die der Sionyx-Philosphie entspricht.

Andrea Kämmerers Marke ist geprägt von ihrer Handschrift und die ist mit bayerischer Tradition eng verwoben: „Mir gefällt, wie die Bayern leben, das erinnert mich sehr an meine Heimat in Tschechien. Man ist mit der Kultur verwurzelt und findet es nicht peinlich oder aufgesetzt. Ich liebe den ersten Tag im Biergarten, die frischen Brez’n und die Berge". Deswegen finden sich in ihrer Kollektionen auch immer wieder Styles mit bayerischen Bezug, wie etwa „Mia san mia“, „Auf gähd’s Buam“ oder „Ozapft is“. 

Und der Trend mit dem Handstrick hält an. In vielen Mützenkollektionen finden sich in mehr oder weniger abgewandelter Form die grobmaschigen Modelle. „Was mich ärgert“, sagt Andrea, „ist: die Leute entdecken uns auf der Messe, und erzählen uns, wir hätten ja die gleichen Styles wie die oder der, und kommen erst gar nicht auf die Idee, dass wir sie zuerst gehabt haben könnten. So hat sich zum Beispiel eine Schweizer Firma unter dem Vorwand, sie seien eine Handelsagentur, die Kataloge schicken lassen und unsere gesamte Kollektion einfach bis ins kleinste Detail eins zu eins kopiert.“ Für den Brand-New-Award, der einmal im Jahr von der Münchner Sportartikelmesse ISPO verliehen wird, waren sie 2005 „nicht innovativ genug“. Jetzt war unter den Finalisten eine Firma mit einer ganz ähnlichen Palette und einem fast identischem Angebot. Das ist für Andrea Kämmerer natürlich schmerzhaft.

Aber die begeisterte Snowboarderin weiss, dass man sowohl im Sport als auch im Business mit Lamentieren nichts und mit Leidenschaft alles erreichen kann. Wahre Originalität und eine unverwechselbare Handschrift wird sie auch in Zukunft immer schon einen Schritt voraus sein lassen.

Iris Huber

Links:
www.sionyx.de