Fashion Week Berlin, Januar 2014, Trends

  /  21.01.2014

Eyecatcher? Highlights? Trends? Für No. 4 unseres Live Reports haben wir modische Strömungen mit Potenzial für euch gesucht – und gefunden. Auf was ihr euch im Herbst/Winter 2014/15 gefasst machen solltet…

Auch während der gerade zu Ende gegangenen Fashion Week Berlin haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, uns auf potenzielles Trend-Terrain zu begeben und die eine oder andere Strömung genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei gab es viel Neues, aber auch Altbekanntes zu entdecken, das durchaus seinen Reiz hat. Ihr wollt Details? Viel Spaß mit den Trends von Morgen!

What the Fell?

Man kann über Fell – unecht oder nicht – sagen, was man will, und insbesondere nach dem einen oder anderen Skandal mag nicht jeder die gleiche Meinung zu den weichen Fabrics haben. Fakt ist allerdings eins: Fake-Fur ist Trend im Herbst/Winter 2014/15. Das wurde spätestens auf der soeben beendeten Fashion Week in Berlin ziemlich offensichtlich, denn wohin das Auge sah, auf Fell stieß es immer. Die Variationen des flauschigen Materials reichten von Zottel-Westen über Teddy-Mäntel im 80er Jahre Oversized Look bis hin zu (Materialmix-)Jacken. Und siehe da, der Traum aus Fell beehrt uns in der kommenden Herbst/Winter-Saison nicht nur in charakteristischen Naturfarben, Melange-Tönen oder typischen Tiermusterungen – teilweise zeigt sich der flaumige Fur-Stoff in poppigen Kolorierungen. Und welches flauschige Tierchen ist schon Knallrot, Quietschgelb oder Mitternachtsblau?

Broadway
Liu Jo; Silvian Heach
Minus; Freaky Nation
Ichi; Bitte Kai Rand
Summum Woman; Ichi
Tellini, Tre Sorelle, Things of Genoa und Uptobe

Lässig muss sie sein!

Einst Bikergirls und -boys vorbehalten, avancierte die Lederhose in Form von Leggings aus selbigem Material zum sexy Dauerbrenner. Zunächst in Clubs oder bei abendlichen Events getestet, wurde sie letztlich auch im Alltag – kombiniert mit Longshirt oder -pulli – eine vermutlich ebenfalls von der Herrenwelt gern gesehene Modeerscheinung. Bislang möglichst eng die Beine umschmeichelnd, weitet sich der Trend im Herbst/Winter 2014/15 im wahrsten Sinne des Wortes aus, auch bei den Herren! Im Jogginghosen-Schnitt werden die Pants locker auf der Hüfte getragen und büßen so vielleicht ein wenig an Sexappeal ein, gewinnen aber in Punkto Bequemlichkeit dazu – und verzeihen nun auch gerne mal das eine oder andere Kilogramm zu viel.

Gestuz; Michalsky
Guido Maria Kretschmer
Guido Maria Kretschmer; Kilian Kerner

Ein Hauch von Inuit

Schon im andauernden Winter begegnete uns der Parka, ein längerer, meist gefütterter Anorak mit Kapuze, als wärmende Outdoorkleidung. Im kommenden Herbst/Winter feiert er, dessen Name (genannt werden darf) aus der Sprache der Inuit stammt und in seinem Ursprungsland Alaska so viel bedeutet wie „Kleidungsstück aus Vogel- und Seehundhaut“, allerdings die Hochphase seiner Auferstehung und zeigt sich als modisches Highlight in charakteristischem Olivgrün. Die Farbe zollt den militärischen Wurzeln in den 40er Jahren Tribut, in denen er zunächst als Winterkleidungsstück der US-Armee eingesetzt wurde. Aus Fashion-Sicht gibt es nun allerdings ein Upgrade: Die besonders in den 90ies allseits beliebten Aufnäher finden zwar auch künftig wieder einen Park(a)-Platz, diesmal jedoch in Form von Brokat-Patches, Stickereien oder großen Knöpfen, zudem zeigt sich das Innenfutter farblich knallig und passend zum Fellkragen der Kapuzen in Kolorierungen wie Lila, Rot oder Pink. Ab den 60ern galt er als begehrte Allzweckjacke und war für viele Träger das äußere Zeichen innerer Grundeinstellung – welche wäre das wohl 2014?

Project Foce
Miss Goodlife
Modström; De'Hart
Bogner Jeans

Alles K(l)aro

Eine Zeit lang vorrangig für Holzfällerhemden und -westen genutzt, haben es Marken wie Alberto zum Herbst/Winter 2014/15 ge-Check-t und bringen Karomuster im Allover-Look in schönen Farbkombinationen abseits der typischen Töne auf Hosen, die sowohl schnieke mit dem dazu passenden Jackett oder auch lässig mit Pulli oder Sweater getragen werden können, wie beispielsweise Antony Morato den Look präsentiert. Nur weil Ecken und Kanten bald vor allem Untenrum gut ankommen, heißt das aber nicht, dass das beliebte Muster von Jacken und Mänteln verschwindet, siehe Rich & Royal oder Modström…

Alberto
Antony Morato
Rich & Royal; Modström

Tarnmodus

Auffällige Designs werden von den Mannequins auf dem Laufsteg präsentiert, spektakuläre Styles wollen für den Eyecatching-Effekt sorgen, während manche Modemacher dahinter immer ausgefallener und teilweise alltagsferner werden. Was hat es aber damit auf sich, dass das Tarnmuster im Herbst/Winter 2014/15 plötzlich ein erneutes Comeback feiert? Von den Ursprüngen dieses Designs als Anpassungs-Look an die eigene Umwelt einmal ganz abgesehen, taucht das insbesondere in den 90ern so beliebte Muster wieder in der Modewelt auf – aber nicht unbedingt so, wie wir es zu kennen glauben, denn hier wird erst einmal ganz klar mit der Tradition gebrochen. Oliv- und Grünabstufungen? Im wahrsten Sinne ist das „sooo 90ies“ – 2014 geht die Fashionbranche einen Schritt weiter, sorgt für weniger klare Musterungen, setzt Farbakzente und zeigt sich ganz klar in neuem Look. Fließende Kleider, warme Parkas, sportliche Hoodies, derbere Hemden, bedruckte Denims und je nach Lichteinfall dezent glitzernde Hosen kommen im Never out of style-Camouflage daher. Ab in den Tarnmodus!

Broadway NYC Fashion
Faanklin & Marshall; Freeman T. Porter
Liu Jo
Modström
Minus; H.I.S Jeans
Timezone

Ever, ever, ever

Und sie glitzern und mixen und glitzern und mixen… Zwei modische Strömungen, die wir bereits vor längerer Zeit entdeckt haben, wollen einfach nicht versiegen und sollen deshalb hier erneut Erwähnung finden: Ein wenig Bling-Bling hat noch kaum jemandem geschadet – und so zieren Pailletten im Herbst/Winter 2014/15 besonders gerne all-over Tops und Jacken. Wem die kleinen Plättchen en masse dann doch etwas zu viel des Guten sind, kann auf partiell funkelnde Teile wie bei Timezone oder Headhunter zurückgreifen.

Offenbar ebenfalls ein Fashion-Evergreen: Material-Mix. Nach wie vor gerne gesehen sind Collegejacken mit Leder- und Jeansjackets mit Stoffärmeln wie bei H.I.S, Denim-Hemden werden mit Ledertaschen zum Hingucker und bei einigen Labels richtet man den Blick vor allem gerne auf die Rückseite – offenbart diese doch erst die gekonnte Mixtur. Wie unter anderem bei Broadway NYC Fashion entdeckt, verschmelzen im nächsten Herbst/Winter zudem gerne zwei Teile zu einem. So sind die Bluse für Drunter und der Kurzpulli für Drüber direkt fest miteinander verbunden.

Messo; Miss Goodlife
Guido Maria Kretschmer
Timezone
Headhunter
Michalsky; Freeman T. Porter
H.I.S
Freeman T. Porter
Mavi
Freeman T. Porter
Broadway NYC Fashion

Meine Jacke, bitte!

Ein absolut unverzichtbares Kleidungsstück ist die – Oberbegriff – Jacke. In Form eines schicken Blazers kann man sie über Kleidchen, Blusen oder etwas mehr casual über Shirts tragen; als Ledervariante ist sie zu Jeans und Leggings mit Longtops ein gern gesehener Style; die Outdoor-Jacke schützt rein funktional vor Wetter und Widrigkeiten und viele tragen sie anstelle von Strickjacken oder Pullovern. Kurzum: Sie ist ein Allrounder für so ziemlich jede Gelegenheit und ab Herbst/Winter 2014/15 kommt ihr endlich genau die lang ersehnte Anerkennung zu, die sie sich hart erarbeitet hat. Indoor-Jackets nennt sich der Trend, der aus der stinknormalen Jacke ein ganz besonderes Kleidungsstück werden lässt und so gibt es sie im College-Look, als leichte Blousons in transparenter Optik mit Stickereien, in Form von Sweatblazern, Materialmix-, Jeans- oder Boucléjacken. Aus der Vielzahl der Varianten sollte jeder etwas für die richtige Okkasion wählen können, ohne Stunde um Stunde an der Garderobe warten zu müssen…    

Silvian Heach
Broadway NYC Fashion
Paramita; Minus
Rich & Royal
Modström; Liu Jo
H.I.S Jeans
Freeman T. Porter; Miss Goodlife

Leo-Love

Die Musterungen verschiedenster Wildkatzen werden immer wieder gerne in die Welt der Mode übertragen und so halten sich Leo- und Tiger-Prints hartnäckig Saison für Saison. Die üblichen Schwarz-/Braun-/Weißtöne bekommen im Herbst/Winter 2014/15 nun allerdings ein farbenfrohes Upgrade oder kommen, wie bei Liu Jo, wahrlich glänzend daher. Ob dezente Grüntöne oder knalliges Türkis auf Mantel, Jacke oder Pulli – das Motto lautet: „Leo ist nicht gleich Leo“. Für alle, die es klassisch mögen, findet sich aber nach wie vor auch das eine oder andere Modell in den kreativen Kollektionen.

Minus; Silvian Heach
Liu Jo; Modström
Imperial Fashion
Michael Lauren
Barre Noire