Epochen-Special, Teil III

  /  22.08.2014

Teil III unseres Epochen-Specials widmet sich den bis dato wohl farbenfrohsten Ären der Modegeschichte: Die Swinging Sixties offenbaren hier ihre ganze Vielfalt, denn nicht nur der Flower Power-Trend zeichnete sich in dieser Epoche ab. Für Stilmixe bekannt sind auch die 70er – und zwar für welche?

Peace, Freunde! Ja, so ganz werden sowohl die 60er als auch die 70ies ihr Image als Hippie-Kommunen-Folklore-Ära wohl nie los – wollen sie möglicherweise aber auch gar nicht, denn Pazifismus spielt eine entscheidende Rolle im politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Denken der damaligen Zeit. Und das hat seinerseits gewaltigen Einfluss auf das Bild der Mode. Neben den allseits beliebten Schlaghosen dieser Epoche, langen Röcken im Folklore-Stil und haufenweise Strickgut schließ erstmals das Thema Grunge zarte Bande mit der Fashion-Welt, das in der Disco-Bewegung seinen gegensätzlichsten Kontrahenten findet…

60er Jahre: die Swinging Sixties

Merkmale

-    Der gesellschaftliche Wandel: In Studentenverbindungen, Friedens- und Bürgerrechtsdemos protestiert die Jugend gegen die Ungerechtigkeit der Welt, politische Gedankenwechsel stehen auf dem Tagesprogramm, das Bewusstsein für Sexualität kristallisiert sich heraus: Stichwort Kommune.

-    Der Flower-Power-Look steht für eine ganze Ära – so auch für die der Mode; das Fashion-Leitbild durchbricht alle Konventionen, neue synthetische Stoffe erweitern die modische Vielfalt, mit dem typischen Stil psychedelischer Farbkombinationen, grafischer Muster und Pop-Art-Inspiration stellen die Träger nicht nur die politische Gesinnung, sondern vielmehr ihre Lebensphilosophie zur Schau.

-    Es wird kurz: Der Minirock sorgt für großes Aufsehen, extrovertierte Schnitte, auffällige Prints und Farbe, davon gerne viel, weisen den Weg.

-    Die A-Linie wird Trend: Weite Ärmel in Kombination mit Flaired-Hosen in Denim oder Kord geben den Ton an, während Taillengürtel die Körpermitte bei den Frauen betonen. Auch bei den Herren wird Schlag Trend – in regelrechter Pflicht-Kombi mit All-over-Print-Hemden oder dem beliebten Poloshirt.

Modeikonen

-    Twiggy
-    Jacky Kennedy
-    Uschi Obermaier
-    Mary Quant entwirft den ersten Minirock
-    Yves Saint Laurent
-    Pierre Cardin

70ies: Hippie-Chic vs. Political Statement

Merkmale

-    Modisch gesehen, gehören die 70er Jahre zu dem wohl stärksten Stilmix der Fashion-Historie, wenn auch der Boho-Hippie-Chic à la Friedensbewegung der ’68er, Woodstock und Festivals im Allgemeinen die repräsentativste Trendform dieser Ära ist.

-    Flower-Power at its best: Peace-Zeichen, Batik- und Karomuster, Blumen in jeder Facon sowie ausgefallene, vor allem lässige und bequeme Schnitte, ausgefranste Jeans, Gilets und bestickte Styles finden Verwendung und symbolisieren Frieden, Pazifismus und eine nach außen getragene freie sexuelle Attitüde.

-    Darüber hinaus wurde gehäkelt und gestrickt, sowohl Männer als auch Frauen setzten auf handgefertigte Produkte, dem sich schließlich auch Sonia Rykiel anschloss und die Strickmode auf die Laufstege dieser Welt holte.

-    Neben der Hippie-Bewegung fand zudem der Folklore-Stil großen Anklang: Bodenlange Kleider, (Falten-)Röcke sowie Hemdblusen-Dresses präsentierten den nostalgischen Modeanspruch; Baumwollkrepp und Leinenstoffe herrschten vor – die Bluse avancierte zur Hauptingrediens des Folklore-Outfits.

-    „Punk is not a fashion, it’s an attitude to life“: Anders rebellisch geht es bei den ersten Punks zu, die sich mit schwarzem Leder, Nieten, Buttons und Destroyed-Jeans deutlich von den vorherigen Modestilen abzugrenzen versuchen – jedoch nicht weniger gegen die politischen Zustände, Normen und Werte ihrer Ära ankämpften. Parka, Stiefel und Camouflage-Muster avancierten zu Anti-Symbolen des Kriegs und wurden als Persiflage-Objekte in die Alltagskleidung integriert.

-    Zu guter Letzt setzte sich das Thema „Disco“ als Trendmeilenstein in Szene: Plateauschuhe, Glitzer-Catsuits in grellen Farben oder mit Metallic-Finishings in Form von Lurex, PVC und Satin waren wahre Statements und sorgen nicht nur am Wochenende für „Saturday Night Fever“.

Modeikonen

-    Vivienne Westwood
-    Sonia Rykiel
-    John Travolta
-    Bob Marley