Wer hier gewinnt, bleibt selten klein
/ 02.07.2026Ein Catwalk-Bild, ein eigenwilliger Schuh, eine Silhouette, die kurz nicht in die gewohnte Schublade passt. So beginnt Mode manchmal, bevor sie alle erkennen…

Im Uhrzeigersinn ab oben links: Anthony Calydon, Pauline Dujancourt, Phileo und Marie Adam-Leenaerdt.




Marie Adam-Leenaerdt, Pauline Dujancourt, Anthony Calydon und Phileo gehören zu den Namen, auf die sich gerade ein genauerer Blick lohnt. Alle vier wurden bei den ANDAM Fashion Awards 2026 ausgezeichnet und zeigen sehr unterschiedliche Wege, wie junge Mode heute aussehen kann.
Marie Adam-Leenaerdt gewinnt den Grand Prize. Ihre Mode wirkt auf den ersten Blick zart, auf den zweiten deutlich eigensinniger. Verschobene Proportionen, leuchtende Farbakzente und eine fast collagehafte Art, Stoffe zusammenzubringen, machen ihre Entwürfe schwer glattzubügeln. Zum Glück.
Pauline Dujancourt erhält den Special Prize und zeigt eine andere Form von Stärke. Ihre Looks arbeiten mit Transparenz, handwerklicher Struktur und einer fast verletzlichen Oberfläche. Das wirkt nicht lieblich, eher konzentriert. Als würde jedes Detail wissen, warum es da ist.
Anthony Calydon steht mit dem Pierre Bergé Prize für eine deutlich dunklere, kompaktere Ästhetik. Seine Jacken und Kopfbedeckungen wirken wie Schutzräume am Körper, irgendwo zwischen Sportswear, Skulptur und sehr eigener Körpersprache.
Phileo gewinnt den Accessories Prize und macht aus roten Schleifenschuhen kleine Hauptdarsteller. Was schnell niedlich wirken könnte, bekommt hier eine deutlichere Kante. Verspielt ja, aber nicht harmlos.
Der ANDAM Fashion Award gehört zu den Preisen, bei denen es nicht nur um eine Trophäe geht. Seit 1989 unterstützt er junge Designer*innen mit Geld, Mentoring und Kontakten in die Branche. Der Grand Prize ist mit 300.000 Euro dotiert, die weiteren Preise mit jeweils 100.000 Euro. Das ist nicht nur Applaus, das ist echter Rückenwind.
Wer wissen will, wohin Mode sich bewegt, muss manchmal nicht auf die lautesten Shows schauen. Manchmal reichen vier Gewinner*innen und ein paar Bilder, die sich weigern, sofort gefällig zu sein.
