Laden mit Konzept

  /  04.08.2008

In den letzten Jahren haben sich zwar die üblichen Ketten in den verschiedenen Fußgängerzonen angesiedelt, doch die machen die Trendsetterin auf der Suche nach dem Besonderen nur begrenzt glücklich. In Bonn gibt’s jetzt eine echte Alternative!

Es gab also Raum für Innovation in Bonn. Ein solcher Raum wurde nun gefunden und mit Originellem gefüllt. Passenderweise heißt der Laden, der vor zwei Jahren auf der Sterntorbrücke 9 aufgemacht hat, auch „Room Nine“. Laden, Boutique, Shop – all diese Bezeichnungen treffen das Konzept nicht richtig, deshalb einfach „Room“. Wollte man „Room Nine“ in eine Kategorie einpassen, so wäre es wohl ein Concept Store. In Deutschland ist diese Ladenidee noch nicht sonderlich weit verbreitet, weshalb das für die beiden Inhaberinnen Antonia Vega und Alessandra Cuschié auch nicht die Inspirationsquelle war, sondern London. Herausgekommen ist ein Sortiment, das die Idee verfolgt, all das anzubieten, was selbst gefällt und Frauen schöner macht, so zum Beispiel Schmuck, Jeans, Kleider, Shirts, Badepralinen, Taschen, Kissen, Kosmetik, Bücher, Bildbände und noch vieles mehr. Der Produkt- und Markenmix wirkt dabei aber keinesfalls willkürlich zusammengewürfelt, sondern durchdacht. Wer an einem Samstagnachmittag in die rosa-weiß gestrichene Wohlfühlumgebung eintritt, kommt vielleicht wieder raus mit einem neuen kleinen Schwarzen, einer passenden Kette, drei Badepralinen für die beste Freundin, einem Freundschaftsbändchen für die Lieblingsnichte, einem neuen Geldbeutel aus Aalleder, einer Quietsche-Ente und dem Vorsatz, sich bei nächster Gelegenheit einmal durch das reichhaltige Jeansangebot zu probieren. Es kann natürlich auch ganz anders ausgehen. Eintreten auf der Suche nach einem Kleid und rauskommen mit einer neuen Bodylotion.

 

Wer nun ist diese Kundin, die am besten einen Hang zu Retromusik und ein bisschen Zeit mitbringt? Eigentlich jede Bonner Frau zwischen Anfang 20 und Ende 30, die ein bisschen was anderes sucht und keine Lust hat, dafür zum Beispiel immer nach Köln zu fahren. „Jede Frau“ bedeutet vor allem auch jede Einkommensklasse, denn die BAföG-Studentin kann hier ebenso fündig werden wie die gut bezahlte Leiterin einer Presseabteilung. So gibt es Jeans von 39 bis etwa 150 Euro, das kleine Schwarze kann 45 Euro kosten und von Nümph sein oder 120 Euro von French Connection. Wer dazu einen Warhol-Seidenschal mit Marilyn-Aufdruck kombinieren möchte, legt noch einmal 150 Euro drauf. Die große Preisspanne in allen Bereichen sorgt für ein breites Markenangebot, außerdem gibt’s wirklich jede Woche etwas Neues zu erspähen. Wer etwas entdeckt hat, schlägt am besten gleich zu! Denn: Die Klamotten werden nicht in Unmengen bestellt – das ginge nämlich auf Kosten der Vielfalt. Außerdem verstecken sich zwischen Labels wie Herrlicher, Strenesse, J-Brand auch schon mal Kleinserien oder Unikate.

 

Und so ist das Geheimnis des Ladens wohl – neben dem persönlichen Wohlfühlaspekt der Inhaberinnen, das hier seine Umsetzung findet – in der eigenständigen Linie zu suchen, die sich freimacht von kurzlebigen Trend-Diktaten. Zeitlosigkeit suggeriert der Raum außerdem mit seinen 60er Jahre-Gegenständen und der Frank-Sinatra-Platte in Endlosschleife. Eine Oase der Originalität zwischen den Ketten und den etwas altbackenen Herrenausstattern der Bonner Republik.

 

 

Carola Dorner