Alles fing mit Red Wings an
/ 30.09.2008Wer glaubt, Frankfurt am Main sei mit genügend ausgefallenen Läden bestückt, sollte noch einmal in sich gehen und diese Aussage überdenken. Wer danach noch immer zu diesem Schluss kommt, muss schleunigst folgende Adresse aufsuchen: die Berliner Straße 74.











„Ich liebe Red Wings – ihrer Qualität wegen“, schwärmt Kami Hashemi mit tiefgründigem Blick von den handgefertigten Boots aus geöltem Leder. „Doch wer die Schuhe gefunden hat, will auch den Rest! Und so habe ich mich irgendwann auf die Suche nach Produkten gemacht, die jemandem gefallen könnten, der wie ich Qualität und Handarbeit zu schätzen weiß. Egal, ob es dabei um ein Taschenmesser, eine Jeans oder um ein Paar Stiefel geht. In jeder Sparte gibt es Marken, bei denen sich die Qualität noch richtig fühlen lässt.“ Da der in Frankfurt geborene Perser ein Mann der Taten ist, hat er sich selbst beim Wort genommen und auf einer Fläche von 200 qm all die Marken zusammengetragen, die ihm selbst haptische und optische Hochgenüsse bescheren. Das sind neben Red Wing Shoes zum Beispiel Atelier La Durance, Levi’s Vintage, Filson, Acne, Nudie Lab, Schiesser Revival, Pendleton und Studio D’Artisan.
Kaum eine Location in Frankfurt hätte als Präsentationsfläche für diese Brands besser gepasst als die Berliner Straße 74, nach der Hashemi seinen im Hinterhof gelegenen Laden auch benannt hat: „B74“. Die Räumlichkeiten, die einer Lagerhalle gleichen, in die nicht allzu viel Tageslicht gelangt, gehörten vor ein paar Jahren noch zu einem Maler- und Lackierbetrieb. Wo jetzt Stiefel, Boots und Shirts zwischen alten Army-Utensilien und Motorrad-Themen mit viel Liebe zum Detail drapiert sind und ihren Platz mit einem alten Porsche von 1958 teilen, wurden seinerzeit Lackierarbeiten ausgeführt. Das ehemalige Meisterbüro wie auch der Fahrstuhl, der hinab in den 150 qm großen Keller fährt, hat der Diplombetriebswirt in eigenwillig eingerichtete Umkleidekabinen umfunktioniert. Auch die geräumige Ladentheke mit ihren passenden Vitrinen erinnert nicht nur an alte Zeiten, sondern stammt auch daher – nämlich aus den 50er Jahren. Ebenfalls alt, nämlich mehr als 60 Jahre, sind Schulpult und Weltkarte, die in einer anderen Ecke des „B74“ entdeckt werden wollen.
Am Eingang des Ladens stolz und einsatzbereit auf der Laderampe sitzend, werden die Besucher übrigens von einem überdimensional großen Spiderman empfangen, den Kami Hashemi irgendwann einmal bei einem Kino nach Auslaufen des Films abstauben konnte. Die imposante Comicfigur passt zwar so gar nicht zum restlichen Look des Ladens, der stilistische Bruch lässt jedoch das facettenreiche Wesen des 40-Jährigen erahnen, der – wie auch seine Eltern – noch weitere Fashion- und Schuh-Geschäfte in Frankfurt betreibt. Seine breit gefächerten Interessen und Sammelleidenschaften dürften genauso wie seine rastlose kreative Ader dafür sorgen, dass das „B74“ niemals langweilig werden wird. Denn wo heute noch ein Porsche steht, findet sich morgen vielleicht schon ein alter Chopper...
B74
Selected Goods
Berliner Straße 74
60311 Frankfurt
