Im Westen was Neues

  /  25.06.2004

Ob waschechtes Fußball-Trikot vom Großvater oder Mutterns original Sixties-Bikini aus dem Osten – mit der Nase tief in den guten alten Zeiten, hat es mittlerweile fast jeden infiziert: das Retro-Fieber.

Und so ist es dank Muffigkeit und atmungsgeizigen Materialien oftmals der Geruch, der als bester Freund des wahren und somit auch gnadenlosen Nostalgie-Freaks selbst versierte Fashion-Liebhaber in die Flucht schlägt… Nicht so jedoch das Footwear-Label Zeha, das soeben wieder das Licht der Welt erblickt hat: Im Jahre 1897 von Carl Haessner ins Leben gerufen, katapultierte sich der Ost-Berliner Fußballschuh-Hersteller zu Zeiten der Mauer und damit des Ledermangels an die Spitze der Schwitzer und avancierte alsbald zum offiziellen Ausstatter des DDR-Olympiateams – das neben unzähligen Goldmedaillen auch gleich mehrere Weltrekorde für sich beanspruchte. Notgedrungen ein Spezialist für die neuesten Synthetik-Technologien wurde Zeha schnell zum Aushängeschild des sportvernarrten Ostens und damit auch zum Alltagsschuh des Volkes – wer keine Verwandten im Westen hatte, die einen mit diversen Styles versorgten, trug eben Zeha.

 

Doch das nicht ohne Liebe, wie zwei Berliner Ost-Bengel jetzt herausfanden: Von der Wende brutal ausgebremst, verschwand der Footwear-Spezialist für Jahre erst einmal in den Versenkung, bis vor knapp einem Jahr ein Paar Original-Treter als Geburtstagsgeschenk für Furore sorgte. Freudeschreie, blankes Entzücken und Ohnmachtsanfälle - auf den Straßen Berlins war fortan nichts mehr unmöglich! Und hier kommen dann Torsten Heine und Alexander Barré ins Spiel: Die Nase von hysterischen Begeisterungsausbrüchen gestrichen voll, entschlossen sich die beiden spontan, Zeha zu relaunchen und schleunigst wieder unter die Leute zu bringen.

 

So weit so gut: Für rund 130 Euro sind die Treter nun in ausgewählten Läden, wie beispielsweise dem Berlinomat, sowie im eigenen Online-Store erhältlich. Unter dem Motto „Hauptstadtsport“ stehen derzeit vier Modelle bereit, die ebenso modern wie funktionell nicht nur eingefleischten Ossis, sondern auch Neuzeit-Ostalgikern den Kopf verdrehen…