Ampel rot-grün
/ 07.11.2005Für Daniel Raufast waren wenige Sekunde an einer Ampel völlig ausreichend, um die Schuhbranche mit einer Marke zu bereichern, die mit prägnanten Details nicht nur einen hohen Wiedererkennungswert hat, sondern von Füßen allen Alters gleichermaßen gerne getragen wird. Raufast, mittlerweile 83, erzählt die charmante Geschichte von 1970 noch einmal selbst:











Wie entstand die Idee zu Kickers?
Daniel Raufast: Ich stellte „schicke“, teure Kinderschuhe her, während die Lebensweise der Menschen sich im Geiste von Mai ’68 zu mehr Lässigkeit hin entwickelte. Eines Tages kam ich aus einer Versammlung des nationalen Lederrates, dessen Kassenwart ich war, und hielt an einer Ampel in der Nähe des Olympia. Vor mir auf einem Bretterzaun ein Plakat für Levi’s Jeans, das eine Truppe des Musicals „Hair“ zeigte. Alle trugen Jeans in allen Farben. Sie hatten nichts an den Füßen. Das war der Auslöser! Ich musste Schuhe machen, die zu diesen Jeans passten.
Wann sind die wohlbekannten Kennzeichen der „Kickers“ festgelegt worden?
Daniel Raufast: Sehr schnell, vor der ersten Lieferung das aufgenähte Etikett oben am Schaft, die gravierten Schnürlöcher, der rote und grüne Punkt, um den linken vom rechten Fuß zu unterscheiden, das heißgedruckte Markenzeichen auf dem Rahmenfeld, die Punkte in den Absätzen, die Blume.
Und der Name?
Daniel Raufast: Es schien mir unmöglich, dieses Modell „Doigt Souple“ zu nennen! Wir haben unser Interesse auf das Verb „to kick“ fixiert, das „treten“ bedeutet. Aber wir brauchten ein zweisilbiges Wort: Kicker. Jacques Chevallereau merkte an, dass derjenige, der tritt, zwei Füße hat. Und so kamen wir auf Kickers. Die Marke wurde am 15. April 1970 um 15.01 Uhr eingetragen.
Und was waren die ersten Ergebnisse?
Daniel Raufast: Alles ging sehr schnell. Im ersten Jahr erreichten wir einen Umsatz von 10 Millionen Francs. Im Jahr 1979, unserem besten Jahr, betrug er 330 Millionen! Wir stellten zwischen 25.000 und 30.000 Paar Kickers täglich her und haben cirka 1.300 Arbeitsplätze geschaffen.
Und auch heute, da die Marke ihren 35. Geburtstag feiern darf, ist von Midlife-Crisis weit und breit keine Spur! Ganz im Gegenteil, Kickers meistert die Gratwanderung grandios, modern und trendy zu sein und dennoch an Werten festzuhalten, die den Erfolg des Unternehmens ausmachen. So kommt die aktuelle Winterkollektion für jung und etwas älter beispielsweise in bewährter Qualität, aber auch in angesagter Trendfarbe Braun und mit hippem Fellbesatz und -futter daher.
Abgesehen davon, dass Kickers-Schuhe mit ihrem charakteristischen Look für Modebewusste längst eine sehenswerte Alternative zu regulären Sneakers geworden sind, lässt sich mit der robusten Profilsohle nicht nur jede Schneeballschlacht standfest meistern, sondern es steht sich auch sehr bequem, wenn’s an der Ampel mal wieder länger dauert.
