School’s out, never!

  /  05.06.2007

Komfort: sehr gut, Aussehen: sehr gut, Originalität: sehr gut - Nein, hier handelt es sich nicht um einen Streber mit Nickelbrille, sondern um ein Original, das mehr als Klasse beweist.

„Meiner hat Dinosaurier drauf!“ „Aber meiner ist viiieeelll schöner, weil er bunter und cooler ist!“ Ebenso essentiell wie die Entscheidung, einen Whopper oder einen Big Mac zu verdrücken, ist die zu treffende Wahl zwischen einem „normalen“ Ranzen und einem Scout. Während andere sich mit unbequemen und schweren Ledertaschen oder preiswerten Ranzenvarianten fast einen Bruch heben, genießen Scout-Träger die Leichtigkeit des Seins. Welche Qualen mussten also unsere Großeltern und Eltern ausstehen, weil ihnen nichts anderes übrig blieb, als die uniformen Folterrucksäcke hinter sich herzuschleifen. Anno dazumal war dies traurige Realität in den Schulen, bis plötzlich 1975 ABC-Schützen die Gegend mit einem farbenfrohen Gepäckstück namens Scout unsicher machten. Seine charakteristische, revolutionäre Kastenform mit den markanten schwarz-gelben Trägergurten brachte jeden Pennäler zum Kreischen und sollte das Weltbild einer ganzen Generation mitprägen.

 

As time goes by – die kleinen Schüler, die zuerst in den Geschmack des Kultgepäcks kommen durften, sind nun erwachsen geworden. Auch der Scout hat über die Jahre mehrmals sein Polyesterfaser-Gewand gewechselt und seine Form den Ansprüchen des modernen Schülers angepasst, was nicht heißen soll, dass die alten Modelle auf dem Müll gelandet sind. Geduldig warteten sie in den Scout-Archiven auf den Zeitpunkt, an dem sie ihr Comeback feiern würden. Sie sollten Recht behalten. Das Ur-Modell aus dem Jahr 1975 wurde jetzt in limitierter Kollektion von der Alfred Sternjakob GmbH nachempfunden. Bloß nachempfunden? Gibt es etwa den treuen, blauen, leichtgewichtigen Freund von damals nicht mehr, der einen durch Wind und Wetter begleitete, sowohl als geräumiges Transportmittel als auch als stabile Sitzgelegenheit diente? Um Himmels Willen nein! Tatsächlich ist der neue „Scout 1975“ eine Hommage an den ersten Leichtschulranzen und nicht für das Kreuz siebenjähriger Knirpse, sondern für junge Individualisten, vom Szenegänger bis zum Yuppie, die mit Scout groß geworden sind, gedacht. Die stylische Tasche macht in Marine-Blau, Ranger-Grün, Panther-Schwarz und Alpine-Rot deutlich auf sich aufmerksam. Handy, MP3-Player und Handcreme fühlen sich in der auffälligen, orange fluoreszierenden Vortasche bestens aufgehoben, der traditionelle schwarz-gelbe Gurt leuchtet genauso stark wie vor 32 Jahren. Von dieser klaren Form- und Farbsprache sind nicht nur die ehemaligen Schulbankdrücker begeistert, sondern auch die Designwelt klatscht begeistert für den „Scout 1975“. 2006 wurde der Nachfolger des Ur-Scouts mit dem renommierten Red Dot Design Award für das beste Produktdesign gewürdigt. Wer also beim nächsten Klassentreffen mit einer coolen Tasche angeben will, sollte vorher online gehen und den „Scout 1975“ für 99 Euro sein Eigen machen, weil er „viiieeelll schöner, bunter und cooler ist!“.

 

 

 

 

Deniz Bisar