Beige: Mehr als nur Farbe
/ 31.03.2009Masche aufnehmen, Masche fallen lassen, Krausrippe hier, Perlmuster dort. Wer nicht in den Genuss kam, in seiner Kindheit von Mama oder Oma in die Kunst des Strickens eingewiesen zu werden, muss sich nicht länger grämen, denn unkonventionelle Strickteile hat auch das Schweizer Label Beige in petto.






Eine mysteriöse Schönheit – sie war sicherlich Italienerin oder Spanierin – verdrehte in dem 1987 entstandenen Schwarzweißvideo „Behind the Wheel“ dem Depeche Mode-Frontmann Dave Gahan mühelos den Kopf. Für sie, die sie ihr Gesicht in südländisch stolzer Manier hinter Kopftuch und Sonnenbrille verbarg, schmiss er mit einer dramatischen Geste rigoros seine Krücken hinfort, um auf dem nostalgischen Roller alsbald hinter ihr Platz zu nehmen und mit ihr davonzufahren. Der nachahmungswürdige Look dieser Lady in dem von Großmeister Anton Corbijn konzipierten Video ist und bleibt klassisch elegant und bringt dennoch eine subtile Sexiness mit.
Darauf setzt auch das Schweizer Designerlabel Beige. Doch ganz von vorne: Manuela Helg und Karin Maurer sind Textilgestalterinnen. Beide arbeiten und leben in Zürich und haben sich mit ihrer Kreativität dem Strickdesign verschrieben, das sie seit 1996, dem Jahr der Gründung ihres Labels Beige, jede Saison aufs Neue in unkonventionelle Teile ihrer Kollektion fließen lassen. Im Frühjahr/Sommer 2009 dreht sich bei ihnen alles um das Thema „Querida mía!“ („Meine Liebste!“), das unweigerlich an das weibliche Selbstbewusstsein appelliert, denn die in Lochmusterstrick entstandenen Oberteile und Kleider lassen nicht nur die Silhouette der Trägerin erahnen, sondern es spiegeln sich darin auch Sehnsucht, Stolz und Tradition wider. Eine raffinierte Mischung aus spanischem Charme und modernem Zeitgeist bringen auch die transparenten Stoffe, changierenden Oberflächen und feinen Karos mit, die Beige in dieser Saison darüber hinaus bereithält. Von neonleuchtender Kragenbordüre oder weich fallendem Stehkragen umspielt, steht bei einigen Teilen als Ode an die Weiblichkeit ganz und gar das Dekolleté im Vordergrund. Ein kurzärmeliges Blusenkleid, eine Faltenjupe in bedrucktem Stoff sowie die passenden Accessoires wie Kopftücher und voluminöse Sommerschals machen die Kollektion perfekt.
Ein Trip in die Schweizer Nachbarschaft lohnt sich also! Denn: Die Strickkreationen, die übrigens auch allesamt in der Schweiz industriell in Kleinauflagen produziert werden, sind am besten direkt im Züricher Atelier-Laden der beiden Designerinnen und nur zum Teil über deren Online-Shop zu beziehen. Zudem führen ausgewählte Schweizer Shops das Label Beige in ihrem Sortiment. Einen Dave Gahan stilecht wie bei „Behind the Wheel“ zu verführen, wird allerdings nicht ganz billig: Ein Kopftuch mit „Dächli“, wie die Schweizer liebevoll einen Mützenschirm nennen, liegt bei etwa 80 Euro, der Pullover „Lourdes“ in Plisseestrick mit fallendem Ausschnitt kostet 180 Euro. Das Blusenkleid „Nives“ schafft es sogar auf 360 Euro. Wenn das Gahan-Double dann aber aufs Mofa oder ins Auto steigt und mitfährt, hat sich das Ganze ja allemal gelohnt!
