Lack ab?
/ 13.12.2007Jede Frau, die heute um die 30 ist, wollte vor etwa 17 Jahren vor allem das eine: auch so coole Stiefel haben wie Pretty Woman! Überkniehoch und aus Lack. Konnte es ein praktischeres Kleidungsstück geben? Nie wieder nasse Füße und außerdem ein echter Eyecatcher! Total verwegen eben und – bei Licht besehen – fast ein bisschen grenzwertig...




Heute stehen wir genau vor diesem Problem: Ist Lack nun cool oder doch zu schrill? Seit es die unübertroffenen Pretty Woman-Stiefel nicht mehr nur bei Fetisch-Spezialausstattern gibt, sondern in jedem zweiten Schuhladen, fragen wir uns ernsthaft: Ist Lack salonfähig oder nicht? Schwierige Frage. Immerhin begrenzen sich unsere Lack-Erinnerungen nicht allein auf besagten Kino-Klassiker, sondern auch auf die Lackschühchen, die wir als Kind immer dann anziehen mussten, wenn es schicker wurde. Das Material steht also irgendwo zwischen bravem Mädchen und Hollywood-Boulevard, zwischen verrucht und edel. Ein schwieriges Spannungsverhältnis, mit dem die Frau von heute erst einmal fertig werden muss. Kein Wunder, dass der Tragbarkeitscheck ein wenig kritischer ausfällt. Handelt es sich um einen Trend, der den Schritt vom Laufsteg auf die Straße gar nicht schafft? Muss nicht sein! Denn wenn das glänzende Material nicht als Komplett-Look getragen wird, ist es auch jenseits der Laufstege durchaus tragbar. Kombiniert wird am besten mit Kontrast-Materialien und -Themen. Eher zu vermeiden wären dahingegen beispielsweise Leo-Print- oder Schlangenleder-Outfits. Hier könnte es sonst zu unangenehmen einschlägigen Angeboten kommen. Ebenfalls abzuraten wäre von einem kompletten Look in Schwarz, zumindest dann, wenn man nicht in die 80er Jahre Wave-Ecke geraten will. Am besten trägt sich zum satten Glanz etwas Mattes – also Strickmaterialien, Jeans und andere Alltagsstücke, die durch den neuen Kombipartner ungemein aufgewertet werden.
Auch für das größte Kombitalent gilt allerdings: Je nach Kleidungsstück ist beim Lack-Tragen weiterhin Vorsicht geboten. Glanzlack ist nämlich nicht eben ein Figurschmeichler... Lackhosen sehen schon ab Größe 36, Lackröcke ab Größe 38 problematisch aus. Also lieber auf die Teile zurückgreifen, die nicht allzu eng am Körper sitzen: Mantel, Tasche, Handschuhe und vielleicht ein Paar Stiefel. Das Schöne ist ja, dass die Einzelstücke alle Blicke auf sich ziehen und dennoch die Vorteile des praktischen Schutzmaterials vereinen. So können Taschen problemlos auf Boden oder Bartresen abgestellt werden, weil weder Dreck noch Cola- oder Sektspritzer der Glanzschicht etwas anhaben können. Gewappnet mit den leuchtenden Lackstiefeln können uns auch die übelsten Wetterlaunen im Herbst und Winter nichts anhaben. Und auch wenn es am Ende gar nicht die hochhackigen Overknee-Traumstiefel aus unserer Kino-Vergangenheit sind – Reißverschluss hoch, Knie vor Knie setzen, aufrecht, Schultern zurück, Kinn hoch und dann los. „Pretty Woman, walking down the Street...“
