Wie Pulswärmer uns retten
/ 13.01.2009Das psychologische Problem bei der Schneeverzögerung ist nicht zu unterschätzen. Keiner will jetzt noch rumlaufen wie ein Eskimo. Müssen wir aber. Zum Glück gibt es ein paar kleine aber feine Tipps für frierende Trendsetter.





Wer friert, ist entweder dumm oder eitel. Zur Zeit frieren alle. Wer außerdem noch eitel ist und ein wenig modische Selbstachtung bewahren möchte, greift zu Tricks, die entweder diskret oder stylisch sind. Zu den diskreten Methoden gehört zum Beispiel die Thermosohle. Keiner sieht sie, doch sie macht wunderbar warme Füße. Eine andere Anti-Frostmaßnahme greift auch an den Extremitäten an: der Pulswärmer. Kalte Hände sind schließlich genauso lästig wie kalte Füße. Wer sich jetzt fragt, was der Pulswärmer kann, was der Handschuh nicht kann, hat vermutlich noch nie einen getragen.
Das Prinzip ist einfach: Der Handschuh wärmt die Finger von außen, der Pulswärmer den Puls von innen – und damit die ganze Hand. Am Handgelenk nämlich liegt die große flache Ader, von der aus lauter kleine Adern die Hand mit Blut versorgen. Wer die Durchblutung ankurbeln will, sollte die große Ader durch Wärme weiten. Fließt mehr Blut durch die Finger, werden die nicht so schnell kalt. Eigentlich logisch. Das könnte der Handschuh auch. Er hört nur meistens viel zu früh auf, nämlich vor dem Handgelenk. Ein Konstruktionsfehler!
Der Pulswärmer überzeugt allerdings nicht nur wärmetechnisch, sondern auch noch pragmatisch und optisch. Wer schon mal mit einem Handschuh versucht hat, Kleingeld zu zählen, Hausschlüssel zu suchen, zu tippen oder Klavier zu spielen, weiß was Sisyphusarbeit ist. Mit Armstulpen kein Problem! Nicht nur, dass mit warmen Fingern jede feinmotorische Herausforderung spielend gemeistert werden kann. Die dekorativen Wärmekünstler können im Gegensatz zu Mänteln, Hüten, Schals und Handschuhen in geschlossenen Räumen einfach weiter getragen werden und sehen dort auch noch gut aus. Sie motzen jeden noch so langweiligen Pulli auf und verleihen nahezu jedem Outfit noch ein gewisses Etwas. Kein Wunder, dass verschiedene Designer die Qualitäten des Multitalents längst erkannt haben.
Bei dem Label Nix aus Berlin werden die gestrickten Armstulpen (etwa 40 Euro) einfach zu nix, also zu ärmellosen Pullis getragen. Eine originelle Lösung für die Übergangssaison. Wer leicht am Ellenbogen friert, kombiniert im Augenblick lieber quer durch den Schichtenlook. Das Hamburger Label Garment setzt wie so oft auf den wettertauglichen Walkloden (für etwa 20 Euro). Das Material ist nahezu unzerstörbar und hält perfekt warm. In unmittelbarer Nähe des Garment-Shops auf der Hamburger Marktstraße finden Frierende auch den Laden einer Frau, die schon immer vom Siegeszug des Pulswärmers überzeugt war: Sabine Ortland von M 39 hält Pulswärmer in Angora-Strick für kalte Tage für etwa 22 Euro bereit, in Seide für warme Tage – in verschiedenen Farben und Formen, mit Muster und Applikationen. Wer es noch etwas verspielter mag, hält sich an die bunten Modelle von Unanova (rund 16 Euro). „Poetische Refugien für die Großstadt“ nennt die Jungdesignerin aus Leipzig ihre Kreationen. Mit ein wenig Romantik am Arm scheint der kaltgraue mitteleuropäische Winter vielleicht tatsächlich gar nicht mehr so kalt.
Eines haben die verspielten, schlichten und praktischen Modelle gemeinsam: Wenn die ganz harten Zeiten einmal überstanden sind, können sie erst in der Übergangszeit zum Kurzarmpulli und später im Sommer sogar zum T-Shirt getragen werden. Trend ist schließlich etwas, das von wenigen gesetzt und von vielen nachgemacht wird. Den Pulswärmer sollten wir also im Auge behalten. Und am Handgelenk.
