The day after

  /  31.12.2007

Wir sind selbst Schuld, denn wir wollten es nie wieder tun... Auch ohne Alkohol und Zigaretten können Feten schließlich furchtbar lustig sein, oder? Und dann, am Morgen danach, sehen wir doch wieder so gruselig aus.

Unsere Haut ist Nachtarbeiter und war, weil wir uns ja vom Feiern nicht trennen konnten, einfach andersweitig beschäftigt. Im Klartext: Sie ist also zu gar nichts gekommen. Normalerweise ersetzt sie, während wir schlafen und davon nichts mitbekommen, alte Zellen durch neue und vertreibt Schadstoffe aus den Poren. An feuchtfröhlichen Fetenabenden klappt das allerdings so gar nicht. Ihr fehlt zum einen der Ruhezustand des Schlafs, zum anderen setzt ihr der zusätzliche Sondermüll in Form von Alkohol ordentlich zu.

 

Wenn wir uns gegen Mittag ins Bad quälen, ist die Entgiftung also noch in vollem Gange. Kein Wunder, dass wir von unserem Spiegel die Abmahnung kriegen. Die deutlichsten Zeichen einer noch andauernden Reparaturarbeit sind die berühmt-berüchtigten Augenringe. Damit möglichst viel Blut dort hinkommt, wo sich die Giftstoffe befinden, weiten sich die Blutgefäße. Die dünne Haut unter den Augen lässt diese Prozesse sichtbar werden – hier schimmern geweitete Adern durch und sorgen für die nur bedingt niedliche Waschbärenmaske.

 

Weil der „Tag danach“ ohnehin ein verlorener Tag ist, nutzt ihn der erfahrene Partygänger am besten für ein ausgiebiges Wellness-Programm. Erstens will sowieso kein Mensch in diesem Zustand unter Leute gehen, und zweitens bügelt eine Auszeit im hauseigenen Spa die Sünden der Nacht bestens aus. Allerdings: Wer direkt nach dem Aufwachen zum nächsten Termin muss, ist natürlich besonders hart dran. Ob Kaffee und Kuchen bei Oma ansteht oder das Gänseessen bei den Schwiegereltern: Nach einem kurzen Erste-Hilfe-Programm kann auch das gezeichnete Partygesicht vor die Tür gelassen werden. Zu allererst müssen übrig gebliebene Farbspuren komplett eliminiert werden. Also am besten noch einmal abschminken! Wenn die Augen noch geschwollen sind, schnell eine Kühlmaske auflegen. Wer keine zur Hand hat, nimmt einfach einen Löffel, der zuvor kurz mal ins Gefrierfach gewandert ist. Diesen vorsichtig auf die Augen gelegt, lindert er nicht nur die Schwellung, sondern macht obendrein wach. Eine Augencreme versorgt die sensible Zone anschließend mit Pflege, und dann geht’s auch schon ans professionelle Faken. Am besten macht sich jetzt eine Mischung aus Abdecken und Ablenken. Also: Concealer um die Augen auftragen und dabei bitte auch die Augeninnenwinkel nicht vergessen! Wenn hier ein heller Glanzpunkt sitzt, wirkt das Ganze schon viel wacher. Weiterhin lenken Glitzerpartikel ab und eine getönte Tagescreme nimmt den Gespensterlook. Von Rouge lieber Abstand nehmen! Denn das geht an solchen Tagen leicht daneben. Etwas Lipgloss, noch ein kurzer Kontrollblick und los geht’s. Auch dieser Tag wird vorübergehen...

 

Wer mehr Zeit hat, lässt es am besten ganz ruhig angehen. Schließlich arbeitet auch der hauseigene Kreislauf an solchen Tagen deutlich langsamer. Nach einem ausgiebigen Katerfrühstück und einer Kopfschmerztablette sollte dann langsam das Wiederbelebungsprogramm gestartet werden. Auch hier ist zunächst „Großreinemachen“ angesagt. Übrig gebliebene Schminkreste verstopfen die Poren und verursachen hässliche Unreinheiten. Außerdem ist die tiefengereinigte Haut empfänglicher für die Pflege danach. Die Meister-Proper-Haut freut sich über eine feuchtigkeitsspendende Maske oder Creme. Alkohol entzieht dem Körper massenhaft Wasser – daher auch die dröhnenden Kopfschmerzen und die spannende, trockene Haut. Auch wenn die Pflege einiges von außen ausgleicht, muss jetzt dringend auch die Grundversorgung von innen ran. Also: Wasser, Tees oder isotonische Getränke bereitstellen. Und zwar gut und gerne drei Liter. Nach der Basispflege bekommen die dunklen Augenringe eine Extraportion Aufmerksamkeit. Danach die übliche Augencreme dick auftragen und leicht einklopfen. Inzwischen ist’s bestimmt schon Nachmittag. Auch wenn der geplagte Körper einfach nur träge ist: Sauerstoff wirkt jetzt Wunder. Wie wär’s da also, dick eingepackt raus an die frische Luft zu gehen? Danach ist dann endlich der blasse Teint weg und dem Kopf dürfte es auch ein bisschen besser gehen. Am frühen Abend lässt sich die schon fast wieder partytaugliche Müßiggängerin ein gepflegtes Wannenbad einlaufen. Im Bad kann sie dann in aller Ruhe noch einmal den Partyabend Revue passieren lassen. Wenn sie im Duft ätherischer Öle immer bettschwerer wird, ist es an der Zeit, sich vom müden Kopf bis zu den wundgetanzten Füßen einzucremen und dann endlich den Schlaf nachzuholen, den sie in der Nacht zuvor versäumt hat.

 

 

Carola Dorner