No Sports in diesen Outfits

  /  09.01.2008

Soll sich ein ausgewachsener Sportverachter im Fitnessstudio anmelden, nur weil es inzwischen so viele wunderschöne Trainingssachen gibt? Oder darf er darin auch ganz alleine auf seinem Sofa gammeln? Oder gar das Haus verlassen? Bislang brauchte es immer eine verdammt gute Ausrede für derlei Outfits im Alltag...

Zur Hilfe kommt dem verzweifelten Trendsetter ausgerechnet das Label mit dem sprechenden Namen FKK. Mit Freikörperkultur haben die Hamburger Designer allerdings wenig im Sinn. Im Gegenteil: Sie kleiden die Nackten. In diesem Frühjahr will FKK vor allem den zweifelnden Sportmuffeln zur Seite stehen, die so gerne ein wenig am Körperkult teilhaben möchten, ohne selbst auf einen Stepper zu steigen. Endlich kann auch im Büro jeder ein wenig Sportlichkeit vortäuschen, ohne gleich in den totalen Freizeitchic zu verfallen. Damit keine unangenehmen Fragen aufkommen, sind die Trendteile zwar an Sportoutfits orientiert, aber ganz offensichtlich viel zu schön, um nassgeschwitzt zu werden. Die Wickeloptik erinnert an Yoga- und Ballettmode, schwingende Röcke könnten aus dem Spind von Steffi Graf stammen und Jodhpurhosen reizen immer ein wenig dazu, auf dem nächsten Pferd davonzupreschen – aber nein, unsere Trägerin kann sich ja beherrschen. Sie wirkt in all diesen Stücken zwar ungemein fit, aber gleichzeitig viel zu sophisticated, um sich in Aerobic-Kursen zu quälen. Deshalb trägt sie ihre Neuerwerbungen auch weder im Verein noch auf dem heimischen Sofa, sondern im Büro, zum Ausgehen und natürlich zum Tanzen. Denn Fitnesshasser hin oder her, betritt die Trägerin der FKK-Kollektion eine 80er Jahre-Disko, gibt es kein Halten mehr. Hier hat sie ihre Jugend verbracht und hier kommen auch all die schrägen Schnitte in Türkis und Azur her. Endlich mal ein 80er-Revival, das nicht nach Bad-Taste-Party, sondern nach Dirty Dancing, Flashdance und verdammt guter Musik aussieht!

 

Für die ausgefallene Mischung aus Bürochic und Edeljogging muss die Pseudosportlerin zunächst zum Beispiel in Hamburg bei Etage Eins oder Anui vorbei oder aber bei Hogi in Berlin, Frieda in Frankfurt oder Garment in Hannover und obendrein ein wenig tiefer in die Tasche greifen. So ist das weiße Oberteil in Wickeloptik beispielsweise für 119 Euro zu haben, für das schräg geschnittene Kleid gilt es, 239 Euro zu latzen. Den Blazer gibt’s für 239, den Rock für 120 Euro. Die echte Trendsetterin darf das natürlich nicht allzu sehr stören. Denn sie weiß ja: Erstens spart sie jeden Monat den Beitrag fürs Fitnessstudio, zweitens sieht sie in FKK gelassen wie eine Yoga-Schülerin, elegant wie eine Primaballerina, schnell wie ein Tennis-Profi und verwegen wie eine Reiterin aus. Und drittens kann sie jedes einzelne Teil durch den halben Kleiderschrank zu einem lustigen Lagenlook kombinieren. Dass sie am nächsten Montag dem ganzen Büro die Schau stiehlt, steht sowieso fest. Und während die Kolleginnen mindestens die halbe Woche über den Muskelkater von der Bauch-Beine-Po-Gymnastik klagen, nimmt unsere unsportliche Disco-Queen Haltung ein, genießt und schweigt...

 

 

Carola Dorner