Ornamentales Südseeflair
/ 08.11.2005Wo Tätowierkunst und angesagtes Sportlabel aufeinander treffen, kracht’s, und zwar in ganz kreativem Sinn: Exklusiv für O’Neill hat der niederländische Tattoo-Künstler Henk Schiffmacher für die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2006 zwei fesche Boardshorts entworfen.






Schiffmacher, bei Film- und Rocksternchen wohl bekannt und in seinem Metier sehr geschätzt, durfte bereits an Legenden wie Kurt Cobain, den Red Hot Chili Peppers sowie an Mitgliedern von Grunge-Band Pearl Jam Hand anlegen. Bei seinen Designs für O’Neill ließ er sich von sagenumwobenen südpazifischen Kulturen inspirieren. Lässige Sunnyboys können sich im Frühjahr also auf die Pea’a Boardshort freuen, die ihrem Träger nicht nur beim faulen Sonnen eine gute Figur verpasst, sondern auch bei wassersportlicher Aktivität. Und dabei darf er sich gleichermaßen beschützt fühlen, denn man sagt, dass Pea’a Tattoos mit ihren unverwechselbaren Mustern ihre Träger, nämlich ursprünglich die Samoaner – das sind die Bewohner der Südpazifik-Insel Samoa, von der das Tattoo eigentlich stammt – vor den Gefahren des Ozeans beschützen.
Auf den Shorts findet ihr übrigens eine exakte Nachbildung eines Körpertattoos, wie es die Samoaner in langwierigen Ritualen und unter großen Schmerzen eingeritzt bekamen. Um die Schwarz-Weiß-Appearance der Hose aufzulockern, rankt sich der Druck einer Samoanischen Halskette in knalligem Rot-Lila über die weißen Tätowier-Linien. Die Seitennähte der Boardshorts sind als Kopie eines 150 Jahre alten Stoffstreifens der Samoaner im Used Look mit ausgewaschener Optik gehalten: ein gekonnter Stilbruch zur insgesamt sehr durchgestylten Hose mit legerem Kordelzug am Bund.
Das weibliche Pendant steht der Pea’a in keiner Weise nach, denn auch hier hat Schiffmacher seine Kreativität ordentlich köcheln und sich für modebewusste Beachbabes die Moko einfallen lassen. Auch hier stehen die Tätowierlinien im Vordergrund, diesmal hauptsächlich in Blau auf strahlend weißer Basis. Moko Tattoos sind eine antike Kunstform der Maori, der Ureinwohner Neuseelands. Die Muster wurden dem Träger aber nicht einfach eintätowiert, sondern im Rahmen von langen, heiligen Riten regelrecht eingemeißelt. Jede Linie bzw. Linienformation gehört im Grunde zu einem größeren Bild und damit umfangreichen Geschichte. Ursprünglich wurden die Moko als Ausdrucksweise von Identifikation, oder ganz simpel zur Abbildung der Stammesgeschichte benutzt.
Aber auch bei der Boardshort für die Ladies hat es Schiffmacher nicht bei diesen Ornamenten belassen, sondern hat über die Tattoos noch einen magischen Fischerhaken gelegt – übrigens auch ein symbolträchtiges Zeichen aus einer Maori Legende. Und weil Frauen ja bekanntermaßen durchaus anspruchsvoll sind, was ihre Kleidung betrifft, gibt’s noch einen Tiki obendrauf! Er ist in Neuseeland nämlich das Prestigeobjekt schlechthin und wird häufig bei Maori Zeremonien getragen oder wenigstens zur Schau gestellt. Tiki ist der Name eines männlichen Halbgotts, der häufig in der polynesischen Mythologie vorkommt, und heißt übersetzt ganz einfach Penis. Der Tiki gilt, wer hätte es gedacht, als Fruchtbarkeitssymbol, wird aber auch als Talisman getragen. Mit Moko, Tiki und Fischerhaken gewappnet, können sich die Mädels also ungehemmt in die Fluten stürzen – wohl wissend, dass sie dabei auch noch eine prima Figur abgeben.
