Bilder, die die Welt bedeuten
/ 18.04.2008Viel zu selten sind praktische Dinge auch schön anzusehen. Ein kleines handliches Etwas, das dabei auch noch chic daherkommt, will jetzt jegliche Sprachbarrieren beseitigen. Ein Buch...




Wer kennt das nicht? Man ist im Urlaub und übt sich der Verständigung wegen in atemberaubendem Zungenzirkus und ausschweifender Gesichtsgymnastik. Einzig mit dem Resultat, dass das Gegenüber immer noch mit Fragezeichen im Gesicht zurückstarrt und dabei sein Amüsement kaum verkneifen kann. Ganz besonders unerfreulich kann es zum Beispiel werden, wenn man den Kellner in einer griechischen Taverne nach einer Serviette fragt. Versucht man es mit dem deutschen Wort, denn das könnte ja wie so vieles aus dem Griechischen entlehnt sein, ist das in diesem Fall weit gefehlt. Denn der Kellner dürfte recht peinlich berührt sein, wenn man ihn nach einer Damenbinde, einer „Serviette“, fragt. Aber wer weiß, vielleicht ist man es auch schon gewöhnt, dass deutsche Touristen, die ja vielerorts als schamloses Völkchen gelten, derartiges fragen. In dem Falle würde der Kellner uns vielleicht mit einem bedeutungsschwangeren Blick zur Toilette verweise, wo man extra für die deutschen Urlauber bereits Binden parat gelegt hat. Aber was würden wir von einem Laden denken, der uns bei der Frage nach einer Serviette zur Toilette also, zu Toilettenpapier oder Trockentüchern verweist... Missverständnisse über Missverständnisse!
Solche Situationen will der universelle Sprachführer Icoon vorbeugen. Ja, richtig: universell. Denn er arbeitet nicht mit Wörtern, sondern ausschließlich mit Bildern. Statt sich vor dem Kellner also zu blamieren oder in eine Verkettung von Missverständnissen zu geraten, könnte man schlichtweg auf das entsprechende Symbol für Serviette deuten und sich eine Situation zum in-den-Boden-Versinken ersparen. Icoon – Global Picture Dictionary zeigt auf 76 Seiten, unterteilt in zwölf Kategorien, 2.000 Icons, darunter 400 Farbfotos. Zudem beinhaltet das kleine Allround-Talent Welt- und Kontinentkarten. Um die Internationalität der Bilder und Zeichen zu gewährleisten, wurden die Icoons rund um den Globus gesammelt und getestet. Mit seinen 60 Gramm im Reisepassformat passt er in jede Hosen- oder Handtasche und sieht dabei auch noch um Längen besser aus als die unhandlichen gewöhnlichen Sprachführer. Icoon gibt es in Magenta und als Spezial-Edition auch in Croco und Camouflage. Erschienen ist das kleine, schmucke Ding beim Berliner Lifestyle Verlag Amber Press und kann für 8,90 Euro im Buchhandel oder im Internet bestellt werden. Zusätzlich findet man den kompetenten Helfer auch in Szeneläden wie Globetrotter und Jack Wolfskin in Berlin oder 107 Rivoll und Colette in Paris. Er verspricht, sämtlichen linguistischen Herausforderungen gewachsen zu sein und bei Kommunikationsproblemen Abhilfe zu schaffen.
Apropos: Auch wenn damit eher die Interaktion zwischen Menschen verschiedener Nationen gemeint ist, könnte Icoon auch hierzulande bisweilen eine praktische Hilfe sein. Man stelle sich nur folgende Situation vor: Nach einer unmenschlich durchzechten Nacht erblickt man das Mittagslicht der Welt. Der Kopf dröhnt unermesslich und der Körper fühlt sich an, als wäre man vom LKW überfahren worden, jede Kommunikation würde unsagbare Qualen verursachen. Wenn das mal keine Kommunikationsschwierigkeit darstellt! Im Icoon schnell nach dem Symbol für Pizza suchen und dem Freund mit hoffnungsvollem Blick unter die Nase halten. Und wenn dieser dann seinen tadelnden du-hast-gestern-zu-viel-getrunken-Blick aufsetzt, schnell weiterblättern und mit einem unschuldig hilflosen Wimpern-Klimpern auf das Symbol Herz zeigen. Eine linguistische Herausforderung, die Icoon mit links meistert. Geht doch!
