Social-Freaks im Fashion-Wahn

  /  25.05.2005

Wie zwei junge französiche Kerle die coolsten Klamotten-Freaks der Szene dazu bringen, ihre Marken-Teile in die Tonne zu hauen und stilistisch voll auf Entwicklungshilfe zu setzen.

Neon-Sneaker oder Jutebeutel? Bis an die Zähne als unschädlicher Durchschnitts-Bürger getarnt, sind es meist die kleinen Dinge, die den Menschenrechtler schon auf den ersten Blick als hoffnungslosen Fashion-Verächter outen. Ist doch alles Blödsinn, dachten sich zwei junge französische Kerle – und brachten kurzerhand die coolsten Klamotten-Freaks der Szene dazu, ihre Marken-Teile in die Tonne zu hauen und stilistisch voll auf Entwicklungshilfe zu setzen…

 

Genauer gesagt: Inspiriert von einem kleinen peruanischen Dorf haben Mathieu Reumaux und Aurelyen Conty das wohl erste kultverdächtige „Sportswear Humanitaire“-Projekt der Geschichte ins Rollen gebracht! Den Anstoß zu der Idee gab eine Peru-Reise, auf der sich die beiden Gründer hoffnungslos in die selbstgeschneiderte Schuluniform der Gemeinde Ventanilla verliebten: Kaum wieder daheim in Paris, machten sich die Bengel kurzerhand an die Arbeit, gründeten ein Fashion-Label unter dem Namen des Orts-internen Waisenhauses „Misericordia“ und verschafften einer vorerst limitierten Anzahl an Ventanillanern die Aussicht auf eine gesicherte Zukunft. Möglich macht dies eine kleine Schneiderwerkstatt, in der die Einheimischen in Eigenregie eine kleine-feine Anzahl von sportlichen Shirts, Pants und Sweaterjacken herstellen. Das Besondere: Alles wird zu 100% aus peruanischen Rohstoffen gefertigt, die Verkaufserlöse fließen komplett in das Projekt zurück. Doch wer nun denkt, Entwicklungshilfe stehe mit Lifestyle unumgänglich auf Kriegsfuß, der wird hier eines Besseren belehrt: Im Handumdrehen zum Geheimtipp der internationalen Fashion-Insider-Elite avanciert, konnte das Brand mit den Einnahmen bereits nach der ersten Saison eine niegelnagelneue Schneiderei finanzieren!

 

Heute, knapp zwei Jahre später, ist es für die Mitarbeiter der „Mision Misericordia“ glücklicher Alltag, neben der überdurchschnittlichen Bezahlung auch mit einer Rente sowie einer Krankenversicherung versorgt zu sein - durchweg Sonderregelungen, die in Peru derzeit als Ausnahme erster Klasse gelten. Für alle die jetzt Blut geleckt haben: Erhältlich sind die Fairtrade-Teile in angesagt-stylischen Szene-Stores in Europa, Asien, Amerika – und ab dem kommenden Frühjahr endlich auch in ausgewählten Läden bei uns! Mit von der Partie sind unter anderem Taurus und Twins in Köln, Feldenkirchen in Hamburg und Belleville in Berlin.

 

 

Lesen Sie auch:
27.08.2026 - Fairtrade baut Textilstandard grundlegend um