Kommst du mit mir aufs Zimmerli?
/ 06.05.2010Trotz mittlerweile sicherlich exzellent gemachter Plagiate aus China wird ein Uhrenkenner doch immer die Original-Rolex von ihren falschen Freunden zu unterscheiden wissen. Wieso sollte das bei Feinripp anders sein?





Qualität sei kein Luxus, gibt man im Hause Zimmerli ganz selbstverständlich zu verstehen, im Gegenteil, Luxus sei Ausweis von Qualität. Mit diesem Grundsatz fährt die Schweizer Traditionsfirma seit Ende des 19. Jahrhunderts ganz gut, will man meinen. Nicht zuletzt, weil sie ihre feingestrickte Ware mittlerweile nicht mehr nur an die Heidis und Peters der alpenländischen Heimat, sondern längst bis nach Hollywood liefert, wo sie Schauspielgrößen wie Denzel Washington in „American Gangster“, Cameron Diaz in „Charlie’s Angels“ und Sly Stallone in „Rocky“ begleitet. Wie alles angefangen habe, wisse man nicht genau, zeigen sich die Schweizer diesbezüglich bescheiden. Lediglich „The World’s Finest Underwear“ erlaubt man sich als Slogan.
Das Geheimnis hinter dem Erfolg der Marke ist vielleicht in deren Unterhemd „Richelieu“ zu suchen, das – aus feinem Baumwollzwirn auf einer betagten 1-Nadel-Strickmaschine gefertigt – seit den 30er Jahren der Zimmerli Klassiker der Herrenwäsche ist und mittlerweile auch für die Damen der Schöpfung hergestellt wird. Mal abgesehen von seiner Elastizität und der leichten wie luftigen Anmutung, kommt das Hemdchen aus langfaseriger Baumwolle ganz ohne Schulternähte aus. Die Tatsache, dass ein Leibchen, bis es bereit für seinen zukünftigen Träger ist, in zahlreichen Arbeitsschritten durch die Hände zahlreicher Näherinnen der in Coldreiro/Südschweiz angesiedelten Schneiderei wandert und damit ein jedes zum Unikat wird, rechtfertigt dann auch den Preis von 50 Euro.
Auf den Erfolgslorbeeren von „Richelieu“ aber ruht sich das 70-Mann-Unternehmen noch lange nicht aus, denn das Sortiment hat neben Herren- und Damenunterwäsche mit Sleep- und Leisurewear ordentlich Zuwachs bekommen. Und wieso sollte es den Normalsterblichen anders ergehen als den Leinwandhelden Hollywoods, die, einmal Zimmerli Blut geleckt, nicht mehr von den zarten Teilen lassen können? Die gibt’s hierzulande übrigens an rund 140 Verkaufsstellen wie dem KaDeWe in Berlin, Braun in Hamburg oder Oberpollinger in München. Kostentechnisch bewegen sich Damen-Basics zwischen 25 und 190 Euro, Herren-Basics zwischen 32 und 102 Euro. Die Fashion-Range, die unter anderem Pyjamas, Loungewear und Bodys umfasst, ist etwas teurer. Dafür ist man dann aber auch immer bestens gerüstet, wenn man mal spontan jemanden mit aufs Zimmerli nimmt!
