Ein Schlüpfer im Kampf gegen Armut

  /  09.12.2009

„Ein Höschen im Vormarsch gegen Armut“ oder „Ein Slip setzt sich für den Weltfrieden ein“ – solche Schlagzeilen könnten bald die Runde machen. Glaubt ihr nicht? Na, dann habt ihr die Rechnung aber ohne Pants to Poverty gemacht.

Meine Unterhosen und mich verbindet eine ganz spezielle Beziehung. Nicht nur, dass ich ihnen gerne Namen gebe - eine Angewohnheit, die ich im Allgemeinen bei unbelebten Dingen habe -, ich verpasse ihnen darüber hinaus auch familiären Hintergrund, Abstammung und eine Geschichte. Man könnte fast sagen, dass ich ganze Stammbäume und gar Geschichtsbücher über meine Panties schreiben könnte. Mein Lieblings-Shorty zum Beispiel heißt Fred - ein Hawaiianer mit deutschen Wurzeln. Warum? In Hawaii gekauft, hab ich das gute Stück intuitiv und auf der Stelle Fred getauft. Darüber hinaus gibt es in meinem Schrank zum Beispiel noch Malik, Deutscher mit tunesischem Migration-Hintergrund, oder auch meinen bonbonfarbenen Kaugummiautomaten-String, der seinerzeit einmal den US-Präsidenten Bush besucht hat. Aber eigentlich wollte ich von Shiela erzählen...

 

Hinter Shiela verbirgt sich ein ganz besonderes Exemplar in meiner Wäsche-Schublade. Denn sie stammt von dem Label Pants to Poverty, einem Brand, das sich auf die Fahne geschrieben hat, den Erdball von schlechten Unterhosen zu befreien. Die Message heißt „Gegen Armut“, wie das kleine Wortspiel „Pants to“ - was soviel wie „zum Teufel mit“ heißt - ausdrücken soll. Die Marke mit der bunten Underwear für Sie und Ihn lässt den Worten aber auch Taten folgen, denn Pants to Poverty setzt sein Motto von der Pieke auf um. Alle Items sind Fairtrade hergestellt und aus pestizidfreier Baumwolle. „Truly ethical from Grain to Groin“ ist die Devise, also „ethisch korrekt vom Korn bis zur Kimme“. Pants to Poverty arbeitet mit rund 7.000 Farmern aus Indien zusammen, die ihre eigene Organisation besitzen und leiten – Zameen Organic. Der Mehrerlös aus dem fairen Handel fließt zudem in Sozialprojekte wie Schulen, Gemeinschaftsräume, Werkzeug, Brunnen und Apotheken.

 

Darüber hinaus initiiert das Brand allerlei interessante Aktionen, um Aufmerksamkeit zu erregen. So hält Pants to Poverty derzeit den Guiness Rekord im „Pants-Flash“: Am 13. November 2008 trafen sich 116 Leute im Londoner Bahnhof St. Pancras, nur mit ihren Pants to Poverty bekleidet. Wenn euch also eine Horde Menschen in Unterwäsche begegnet, nicht wundern, sondern mitmachen, falls ihr gerade zufällig eure Pants tragt. Wenn ihr noch keine habt: Zu kaufen gibt es die Teile zwischen zehn und 17 Euro unter anderem im Pants to Poverty Online-Shop sowie im „Glore“ in Nürnberg, bei „Tantalize“ in München und bei Fairfax.de.

 

 

Daphne Bruland