Es lebe Andy Warhol
/ 16.06.2008„30 are better than one“, sagte der Künstler eines Tages und stellte seine Mona-Lisa-Arbeit vor. Was ist schon ein Lächeln im Original gegen 30 Mal Lächeln in der Warhol-Bearbeitung? Ähnliches dachte sich Pepe Jeans und erwarb die Lizenz zur Verwendung der Bildmotive. Tomatendosen auf Shirts, wohin das Auge blickt.





In den nächsten fünf Jahren macht Pepe also nicht nur Mode, sondern Kunst. Pop-Art in Reproduktion der Reproduktion. Eine Kunstform, die immer an der Grenze zwischen Kunst und Kommerz arbeitete, findet – und das ist nur konsequent – ihren Weg in den modischen Alltag. Hier haben zwei Partner zusammengefunden, die versuchen, Kunst und Kommerz im Sinne des Erfinders in Einklang zu bringen. Die Andy Warhol-Foundation und Pepe Jeans London. Beide wissen, dass der Meister Recht hatte mit dem Spruch: „Being good in business ist the best kind of art“.
Die erste Kollektion, die in dieser Zusammenarbeit entstanden ist, kommt gerade in die Läden. Eine Komplettausstattung für kunstversessene Männer und Frauen für die Saison Herbst/Winter 2008/09. Shirts, Jacken, Jeans, Schals, Kleider, Gürtel, Taschen. Ganz so massentauglich, wie das Reproduktionscredo des Erfinders glauben lassen möchte, ist das Ganze dennoch nicht. Erstens gilt Pepe nicht gerade als Billigmarke, sondern eher als cooleres Label für Träger, die wissen, was sie suchen. Zweitens finden sich die Kunststücke nicht etwa an jeder Ecke, sondern nur in ausgesuchte Shops. Deutschlandweit können die Werke in etwa 25 Läden erstanden werden, mit dabei sind das KaDeWe in Berlin, Jades in Düsseldorf, Madamsky in Köln, Room Nine in Bonn. Und drittens sind die Kunstwerke mitnichten beliebig oft reproduzierbar. Jedes Motiv wird in dem vereinbarten Zeitraum nur ein Mal aufgelegt. Limitierte Massenkunst also. Für Sammler bedeutet das, dass sie in den nächsten Jahren auf der Hut sein müssen, wenn sie die begehrte Pop-Art im heimischen Kleiderschrank lagern wollen. Andrerseits haben limitierte Auflagen natürlich immer den Vorteil, dass der Träger seinem Lieblingsmotiv nicht an jeder Ecke wieder begegnet. Wer zwischen 60 und 70 Euro für ein Druck-Shirt und etwa 200 Euro für ein Seidenkleid zahlt, möchte das schließlich nicht auch noch an allen Kollegen sehen.
Obwohl jeder glaubt, Warhol-Motive genau zu kennen, hält die aktuelle Kollektion einige Überraschungen bereit. Zwar dominieren bekannte Motive wie Blumen, Marilyn, Mao oder die Suppendosen von Campbell im Großdruck, es gibt aber auch sehr diskrete Modelle, bei denen nur der Insider die Handschrift des Künstlers erkennt. So verrät manchmal nur ein geblümtes Jackenfutter oder ein kleiner Knopf mit Dollarzeichen, dass der Käufer insgeheim die Warhol-Stiftung unterstützt. Ein weiterer Grund, in Kunst zu investieren: Auch wenn die Trendsetterin einfach nur ein cooles Druckshirt besitzen möchte, tut sie dabei noch etwas Gutes. Sie unterstützt über die Warhol-Foundation junge talentierte, aber mittellose Künstler. Shoppingsucht und Mäzenatentum muss sich nicht widersprechen.
