Knastbruder-Style in Heimarbeit
/ 16.03.2005Den Disney’schen Panzerknackern würde vielleicht angewidert das Blut in den Adern gefrieren, doch einige Knackis von heute zeigen wahren Stil und verdienen nun hinter Gittern ganz ehrlich ihr Brot - mit Fashion.



Zugegeben: Manchmal sind es die komischsten Gestalten, die als Macher hinter einem Fashion-Brand auftreten. Doch während Drogen-Freaks und Steuerhinterzieher hier des öfteren anzutreffen sind, steht die Marke der Diebe und Meuchelmörder wohl allein im Rampenlicht – und das unter Beifall von Kirche, Gesetz und den versiertesten Klamotten-Liebhabern rund um den Globus… Die Rede ist von dem im Jahre 2003 ins Leben gerufenen Label Haeftling, unter dem von mehr oder minder bösen Knastbrüdern gefertigte Jailwear verscherbelt wird - selbstverständlich ohne den Käufer hinters Ohr zu führen!
Im Mittelpunkt stehen hier streetwearige Shirts, Röcke, Pants und Jacken sowie Overalls und Footwear. Alles wird in traditioneller Handarbeit hergestellt und soll etwas härter im Nehmen sein als die Outfits „von draußen“. Was kaum einer ahnt: Nicht nur in der freien Wildbahn der Großstadt, sondern auch hinter schwedischen Gardienen herrscht nach wie vor nervenzermürbende Arbeitslosigkeit. „Durch die weltweite Nachfrage von Jailwear wird die Arbeitslosenquote in den Vollzugsanstalten reduziert werden können“, heißt es von Seiten der Haeftling Jailwear Vermarktungs KG in Berlin. „Die Möglichkeit der Resozialisierung der Inhaftierten, ihre sinnvolle Beschäftigung und das Schaffen von Arbeitsplätzen stellt für uns einen überzeugenden sozialgesellschaftlichen Ansatz dar.“ Bundesweit einheitlich geregelt, erhält jeder beteiligte Knacki einen monatlichen Lohn.
Der Rest der Erlöse wird für Investitionen innerhalb der Mauern sowie das Marketing und die Organisation des Labels genutzt; ein weiterer Teil soll sogar in öffentliche Kassen fließen, um die Steuerzahler zu entlasten. Verkauft werden die Teile über den eigenen Online-Shop sowie ausgewählte Szene-Läden in Deutschland, Österreich, Italien, Ungarn, Hongkong und Japan. Doch erhältlich ist nicht nur die original Jailwear, sondern beispielsweise auch eine Küchenschürze, diverse Geschirrhandtücher, Bettwäsche und ein Hackbrett, perfekt geeignet für die schwungvolle Verkleinerung von Gemüse, Kräutern und, äh, Fleisch… Alles Weitere gibt’s unter .
