Angeschmiert: Streifenfrei urlaubsbraun?

  /  13.05.2008

Es gibt Leute, die schon den ganzen Winter eine gepflegte Karibikbräune zur Schau tragen. Wir wissen natürlich alle: Dieser leicht orangefarbene Ton kommt nicht etwa von der letzten Kreuzfahrt, sondern von den bösen, krankmachenden Strahlen der Solarien.

Gesundheitsbewusste Solarienverachter werden trotz eigentlich nachweislicher Überlegenheit – schließlich bekommen wir viel später Falten – ein wenig neidisch. Der Solariumsvorgebräunte muss nämlich nur noch einmal kurz in die Sonne schauen und schon kann er alle weißen Hängekleidchen und Shorts anziehen, die ihm in den Weg fallen. Wir hingegen stehen da mit unserer edlen Blässe und sind, wie jeden Frühsommer, ein wenig hilflos. Damit wir mit den Kleidchen loslegen können, bräuchten wir mindestens drei Wochen Schwimmbad. Die haben aber Anfang Mai noch nicht auf. Und weil wir alle so schlecht warten können, kramen wir aus den hinteren Ecken der Badezimmerschränke nach Selbstbräunerresten. Einmal gecremt oder gesprüht, Rock an, fertig. Etwa zwei Stunden später die Ernüchterung: Knie und Knöchel sind orange, der Rest zeigt sich gefleckt bis gestreift. Frustriert greifen wir wieder zur Jeans.

 

Was haben wir falsch gemacht? Der Selbstbräuner, der für den Zebralook auf meinen Beinen verantwortlich ist, war etwa zwei Jahre alt. Das muss nichts heißen. Andererseits hat es natürlich einen Grund, dass Cremes nach etwa einem Jahr in die Tonne gehören, Selbstbräuner machen da keine Ausnahme. Hinzukommt die spitzenmäßige Lagerung im Badezimmer, wo durch ständiges Duschen, Türe auf, Türe zu, Luftfeuchtigkeit rauf, Luftfeuchtigkeit runter ein Klima herrscht, das zwischen Dschungel und Wüste schwankt. Also, weg damit und abwarten! Nach zwei Tagen Hose tragen ist der Hautton wieder neutral. Dieses Mal mache ich alles richtig: erst Beine sorgfältig peelen, keine Cremerückstände auf der Haut lassen, dann darf gesprüht werden. Nur kurz, nur einmal, nur mit dem Produkt für helle Haut, einmal verreiben und dann ganz schnell Hände waschen.

 

Wer nicht von heute auf morgen knallgelbe Minikleider anziehen will, kann es auch etwas ruhiger angehen: Fast jede Marke – von Nivea über Dove und Bebe bis zu Biotherm – hat inzwischen getönte Bodylotions im Programm. Damit baut sich peu à peu ein gesunder Naturton auf. Wenn’s denn gut geht. Wer wirklich jeden Tag cremt, kann auch mit dieser Methode die ungeliebten Flecken kriegen. Also lieber zwischendurch auch mal weglassen. Für blutige Anfänger gibt es eine geradezu kindersichere Variante: Bräunungstücher. Die sind mit der genau passenden Menge Bräuner getränkt und machen Überdosierungen so gut wie unmöglich. Praktisch auch deshalb, weil sie einzeln verpackt sind, lange halten und Platz in jeder Hand- und Kosmetiktasche finden. Für den ganzen Körper sollten zwei bis drei Tücher eingeplant werden, für die Beine, um die es ja meistens geht, reicht eins. Die Tücher gibt es einzeln oder im Fünferpack. Perfekt zum Ausprobieren!

 

Wer es ganz eilig hat und nicht auf irgendwelche Einwirkzeiten warten kann, greift am besten direkt zur Farbe, sprich zum Make up – auch für den Körper. Das kann denn wenigstens auch gleich korrigiert werden und hält nicht irgendwelche Überraschungen parat. Auch Farbe gibt’s in Creme-, Sprüh- oder Puderform, da funktionieren die Beine nicht anders als das Gesicht. Apropos Gesicht: Weil zwar jeder Selbstbräuner der Welt streifenfreie Bräune verspricht, aber keiner die begehrte Farbe ohne Nebenwirkungen garantieren kann, sollte man sich im Gesicht auf keine Experimente einlassen. Flecken auf den Beinen sind schon schlimm genug. Wer hier keine Scheu hat, experimentiert vielleicht am Anfang auch lieber mit Tüchern für besonders helle Haut. Und nicht vergessen: In einem Monat haben auch wir Blassen die gesunde Urlaubsfarbe, die jeden Selbstbräuner hinfällig macht!

 

 

Carola Dorner