Gelbsucht
/ 11.03.2008Musste es ausgerechnet Kanariengelb sein, das den Trend überlebt? Zugegeben, die Signalwirkung ist nicht zu unterschätzen, und im gelben Mantel Fahrrad zu fahren, ist bestimmt fast so sicher wie mit Licht, aber dennoch: Wem steht schon Gelb?




Auf der Stange sieht es schon sehr cool aus: Knallgelb, Kanariengelb, Neongelb, selbst Senfgelb. Spätestens in der Umkleidekabine erwischt es die Mutige, die gerade ein Kleid übergestreift hat, dann aber eiskalt: Sie sieht krank aus, todkrank. Der Teint hat eine Farbe angenommen, die dem Weiß der Wand nahe kommt, selbst die eben noch angebräunten Beine sehen wieder kalkig aus und auch sonst ist das Ergebnis des Experiments ausgesprochen ernüchternd. Was tun? Abbrechen, aufgeben?
Muss nicht sein. Zugegeben: Der Komplettlook in Dotterfarben ist ein echtes Wagnis. Am besten steht er vermutlich milchkaffeefarbenen Schönheiten, die in ihrem Leben noch nie blass oder dick ausgesehen haben. Aber auch alle anderen müssen nicht auf diesen Trend verzichten, denn Gelb hat schließlich auch seine Vorteile. Schon der Anblick der Farbe erinnert uns an Jubel, Trubel, Heiterkeit, Sommertage, Eisessen und Freibäder. Die Farbe mit Gute-Laune-Garantie sozusagen. Deshalb doch lieber zugreifen! Nur wie?
Gerade mit Gelb ist einiges an Kombinationsgeschick gefragt, am besten gemischt mit einer kritischen Selbstwahrnehmung. Und Spaß soll das alles ja auch noch machen. Super. Also, wohin mit dem Gelb? Am besten orientiert sich die Gelbanfängerin an einer Ampel: in die Mitte damit! Zu nah am Gesicht lässt es einen schnell zu blass aussehen. Unterhalb des Bauchnabels geht aber eigentlich alles, und zumindest kann sich die Trägerin vor du-siehst-aber-krank-aus-Kommentaren sicher wähnen. Perfekt sind in der Regel knallgelbe Einzelstücke: der Rock, der alle Blicke auf sich zieht, oder aber Schuhe, die dafür sorgen, dass einem garantiert keiner mehr auf die Füße tritt. Beliebter Kombi-Partner ist natürlich Schwarz. Edler und in jedem Fall raffinierter macht sich Anthrazit. So kann im verregneten Frühling der Grau-Look aus dem letzten Herbst noch einmal aufgewertet werden. Im gelben Rock ist uns das schlechte Wetter nämlich zum Glück piepegal.
Ganz Mutige probieren die neue Lieblingsfarbe vielleicht auch mal zu Grün, Rot oder Blau. Das geht zwar leicht schief, aber wenn’s doch gelingt, kommt ein urlaubsreifer Tropical-Mix raus, der ja auch nicht unbedingt im Büro getragen werden muss. Wer Gelb mit anderen hellen Tönen tragen will, hält sich am besten einfach an Weiß. Die bewährte Farbkombi im Spiegeleierlook hat etwas ungemein Frisches. Wer die Farbe der Sonne gar nicht an die Haut lassen möchte, muss auf den leuchtenden Farbklecks trotzdem nicht verzichten. Eine Handtasche in Gelb geht schließlich immer: Macht nie blass, muss nicht zu allem passen und sorgt bestimmt bei jedem nach-dem-Schlüssel-Kramen für gute Laune!
