Wie aus Herrn Licher Herrlicher wurde

  /  04.11.2026

In einem Gießener Eckhaus verkaufte Erwin O. Licher Jeans, für die er bis nach Paris fuhr. Zum 80. Geburtstag erzählen wir, wie aus seiner Begeisterung für Denim eine eigene Marke wurde…

Erwin O. Licher damals und heute. Bildmontage: Herrlicher.

Die Jeans-Ecke hieß so, weil sie in einem Eckhaus lag. Walltorstraße 35, Gießen. Dort eröffnete Erwin O. Licher 1973 seinen Laden. Vor dem langen Einkaufssamstag fuhr er nach Paris, um Mode einzukaufen. Was er dort aussuchte, musste sich wenig später in Gießen verkaufen.

Angefangen hatte Erwin O. Licher als Verkaufsfahrer bei Vorlo Getränke in Gießen. Danach vertrat er die französische Jeansmarke Donovan. 1981 kam Pash dazu. Zunächst verkaufte er die Jeans der Marke an Händler in Hessen. In den Achtzigern entwarf er für die Marke Pash seine ersten eigenen Modelle. Eine Zeit lang war er Einzelhändler, Vertreter und Designer zugleich. Ihn interessierte eine Jeans aus allen drei Blickwinkeln: Wie soll sie aussehen? Was braucht der Händler, damit er sie ins Sortiment nimmt? Und wie sitzt sie an dem Menschen, der sie am Ende kauft? Pash führte ihn schließlich von Gießen nach München, wo er sich ab 1990 ganz der Marke widmete. Als er Ende 1992 ausschied, setzte Pash 40 Millionen D-Mark im Jahr um.

Anfang der Neunziger beobachtete Erwin O. Licher, wie Jeansmarken aus Los Angeles mit ihren Kollektionen auch Geschichten erzählten. Der Name seiner eigenen Marke erzählte eine Familiengeschichte: Freeman T. Porter hieß sein amerikanischer Vater. Licher gründete das Label 1992 und zeigte die erste Kollektion im Februar darauf auf der Interjeans in Köln. Er entwarf die Modelle, suchte persönlich nach Produktionsbetrieben und kümmerte sich darum, dass die Ware in der gewünschten Qualität in die Läden kam. 2003 lag der Umsatz bei 42 Millionen Euro.

Nach der Trennung von seinem Geschäftspartner fing Erwin O. Licher mit 57 noch einmal an. Im August 2004 stellte er im Münchner Park-Café die erste Kollektion von Herrlicher vor. Der Name wirkt heute so selbstverständlich, als hätte er von Anfang an festgestanden. Tatsächlich probierten sie mehrere Varianten aus. Eine davon war „dem Herrn Licher seine Jeans“. Irgendwann rückten Herr und Licher zusammen. Und weil sie auch für Denim ein deutsches Wort suchten, wurde daraus Blaustoff Herrlicher. So naheliegend, dass man erst einmal darauf kommen muss.

Am 2. November 2026 ist Erwin O. Licher 80 geworden. Er arbeitet mit seiner Frau Christine Lambrecht und seinem Team weiter an Herrlicher. Wenn er über Jeans spricht, merkt man bis heute, wie viel sie ihm bedeuten.

Lieber Erwin, herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag! Ich wünsche dir Gesundheit, viel Zeit mit den Menschen, die dir wichtig sind, und weiterhin so viel Freude an den Jeans wie am Anfang. Alles Gute von mir und vom ganzen Team von First Blue.

Dirk Stegemann

Links:
www.herrlicher.com
Herrlicher unter den Best Brands von First Blue: www.1st-blue.com/best-brands/herrlicher-women/
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