What you see is what you get

  /  11.05.2012

Last-Minute-Stress? Nicht bei Wolfgang Joop. Der Designer hat leise, still und heimlich eine neue Wunderkind-Kollektion kreiert, die er in seiner Villa in Potsdam zeigte. Nervosität kennt der 67-Jährige aber offenbar nicht mehr, auch wenn „doppeltes Risiko“ trägt.

Wolfgang Joop

Wolfgang Joop hat sich mit seiner neuen Kollektion weiterentwickelt. Der Designer zeigte am 10. Mai 2012 in seiner Potsdamer Villa eine neue Wunderkind-Kollektion – die erste seit fast zwei Jahren. Nachdem sein Label Ende 2010 aufgrund abspringender Investoren vor dem Aus stand, ist Joop seit März 2011 wieder alleiniger Eigentümer. Über die lange Pause macht er sich keine Sorgen. „Berühmte Labels erfuhren in ihrer Geschichte kurze oder längere Unterbrechungen – beispielsweise Gucci, Helmut Lang oder Lanvin“, erklärt er. „Meist wurde ein Neuanfang zu einer Neuorientierung. Im Falle Wunderkind ist die Treue seiner Fans und die große Nachfrage der internationalen Klienten Herausforderung und Bestätigung zugleich für mich, den Neustart zu wagen. Ich trage natürlich doppeltes Risiko – das des Künstlers und das des Unternehmers.“

Der Neuanfang der Marke zeigt sich natürlich auch in den Designs. „Wunderkind ist erwachsener geworden“, findet der Modeschöpfer. „Mit anderen Worten: luxuriös, elegant, avantgardistisch und gleichzeitig ganz bei sich selbst.“ Trotzdem war er nicht nervös, wie seine neue Herbst-/Winter-Kollektion wohl beim Publikum ankommen würde: „Der sogenannte Last-Minute-Stress kommt bei Wunderkind schon lange nicht mehr vor. Wir haben gelernt, selbstbewusst und professionell zu arbeiten. ‚What you see is what you get!’ ist unser Motto.”

Für seine neuen Kreationen setzt Wolfgang Joop auf „fließende Jerseys in raffinierten Drapierungen“ sowie „Chiffon, Alpaca und gekochte Wolle in Strick- und Webware.“ Außerdem entwarf er Mode mit „delikate[n] Prints in Ozelot-Optik gemixt mit gestreutem Mosaik.“ Inspiriert wurde der 67-Jährige dabei vor allem durch eine Marokko-Reise. „Bewusst oder unbewusst mischt sich ein orientalisch-märchenhaftes Frauenbild in Zitate der Haute Couture der 50er- und 60er-Jahre, wie sie die geheimnisvollen Heldinnen aus Hitchcocks Filmklassikern trugen.“