Unvollkommen vollkommen

  /  07.06.2012

Makel sind erwünscht. Der Kreativchef von Louis Vuitton glaubt nicht an Perfektion - sie sei eine Idealvorstellung - und hat von Piercings und Tattoos noch lange nicht genug.

Marc Jacobs

Kaum zu glauben, aber Modedesigner Marc Jacobs, der erst kürzlich einen begehrten Fashion-Award an die Olsen-Zwillinge abtreten musste, zeigt sich gänzlich unzufrieden mit Teilen seiner Kollektionen und glaubt nicht an Perfektion.

Er findet, dass vor allem körperliche Vollkommenheit eine Wunschvorstellung ist, die unerreichbar ist. „Ich glaube, Perfektion ist eine Idealvorstellung. Ich denke nicht, dass man sie jemals wirklich erreichen kann. Es gibt immer etwas zu tun", erklärt der Kreativchef des französischen Modehauses Louis Vuitton im Gespräch mit dem Magazin Interview.

„Ich meine, ich lasse mir immer mehr Tattoos und Piercings und alle möglichen Dinge machen. Keine Ahnung, wer weiß schon, was ich in Zukunft tun werde? Ich gehe davon aus, dass ich noch nicht fertig bin."

Diese Einstellung beschränkt sich jedoch nicht nur auf körperliche Unvollkommenheit, sondern ist auch Teil der allgemeinen Lebensphilosophie von Marc Jacobs. „Ich mag Dinge, die falsch sind oder mangelhaft oder welche die Menschen nicht unbedingt als Schönheitsideale ansehen", betont der gebürtige New Yorker, der mittlerweile in Paris lebt.

Trotzdem ist der Designer nicht dagegen immun, seine eigenen - weniger perfekten - Kreationen kritisch zu betrachten. „Es gibt einen Pulli, den wir uns letztens erst wieder angeschaut haben und ich mag den wirklich nicht, aber er verkauft sich sehr, sehr gut. Deshalb wird er mir immer wieder gezeigt, so nach dem Motto: Oh, das war sehr kommerziell", verrät Jacobs im Interview. „Jedes Mal wenn ich den sehe, muss ich förmlich zusammenzucken, weil ich einfach denke, dass ich solche Sachen nicht machen will. Ich bin nicht stolz auf sie. Aber manchmal heißt es einfach: Augen zu und durch."