Für den Feminismus

  /  01.10.2014

Eines der Highlights der jüngsten Paris Fashion Week stellte die ungewöhnlich inszenierte Show von Chanel dar. Karl Lagerfeld hatte sich für die Präsentation der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2015 offenbar politisch inspirieren lassen…

Karl Lagerfeld

Am 30. September 2014 wurde in Paris ein Chanel-Boulevard errichtet. Von wem und wozu? Von Karl Lagerfeld, der für die Präsentation der Frühjahr/Sommer-Kollektion seines Modehauses eine außergewöhnliche Inszenierung wählte. Nicht wie sonst auf einem Laufsteg, sondern auf den Straßen des eigens für die Show aufgebauten Boulevards zeigten Models wie Cara Delevingne, Gisele Bündchen oder Georgia May Jagger die neuen Kreationen des französischen Labels. Ob diese die volle Aufmerksamkeit des Publikums auf sich lenken konnten, ist allerdings fraglich, da Lagerfeld die Veranstaltung als große Demonstration inszenierte. So liefen die Models mit Bannern und Protestschildern über den Boulevard und protestierten mit Messages wie „Ladies First“ oder „History is Her Story“ für mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen.

Nachdem sich in den vergangenen Wochen Persönlichkeiten wie Emma Watson, Chloë Grace Moretz, Joseph Gordon-Levitt und Rita Ora öffentlich für mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern stark gemacht haben, trifft der Modemacher mit seiner Aktion den Zahn der Zeit und zeigt – ganz im Sinne Coco Chanels, die die Frau einst nicht nur von Kleiderzwängen, sondern auch der Unterdrückung in einer männerdominierten Gesellschaft befreien wollte –, dass auch Mode als Protestmittel genutzt werden kann. Die Kritiker lobten Lagerfeld für die Chanel-Show, was vor drei Jahren wohl noch undenkbar gewesen wäre, da der Kreative sich zu der Zeit eher vom Feminismus distanzierte. Auf die Frage, ob er und Coco Chanel Feministen seien, antwortete er damals: „Ich war nie ein Feminist, weil ich dafür nie hässlich genug war.“