Die Essenz der Mode
/ 28.08.2012Das Leben in der Modebranche beginnt mit einem Champagner – so oder so ähnlich könnten manche Vorurteile lauten. Wie es in der Branche wirklich abläuft und warum auch hier die Familie sehr wichtig ist? Ein Designer gibt Einblicke…

Alber Elbaz
Alber Elbaz sieht keine glamouröse Seite am Leben als Modeschöpfer. Der Chefdesigner von Lanvin verrät, dass sein Job alles andere als glamourös ist. „Ich glaube, für die Welt ist Mode eine Sache und für die Menschen, die in der Branche arbeiten, ist sie eine ganz andere. Es scheint einer von diesen glamourösen Jobs zu sein, bei denen man aufwacht und keine Cornflakes isst, weil man Champagner trinkt und meistens um 6 Uhr anfängt – nicht am Morgen, sondern am Abend – und dann um 7 Uhr wieder loseilen muss, um etwas anderes zu machen“, amüsiert sich der israelische Modeschöpfer gegenüber The Wallstreet Journal. „Die Realität ist ganz, ganz anders. Jedes Jahr so viele Kollektionen zu produzieren – von Null anzufangen und Kreationen zu einem Geschäft zu machen – ist eine sehr schwierige Sache.“
Auch mit dem Stand der heutigen Modebranche zeigt sich der 51-Jährige nicht vollends zufrieden. „Mode war früher ein Familienunternehmen. Viele, viele Jahre war es die Art von Geschäft, in der Mütter, Väter, Kinder und Enkel alle zusammenarbeiteten. Und das hatte etwas. Weil die Familie der einzige Ort ist, an dem man sich sicher genug fühlt, um Fehler zu machen und für die Kreation sind Fehler wirklich wichtig. Sie treiben dich voran“, ist er überzeugt. Aus diesem Grund müsse die Branche heutzutage auch lernen, „wieder klein“ zu werden. „Die Branche ist jetzt sehr stark, mächtig und sehr groß und laut. Ich glaube, es ist eine wichtige Zeit, um wieder zum Design und zur Kreativität zurückzukehren und kleinere Gedanken zu hegen. Es geht nicht nur ums Marketing, sondern wieder um die Kreativität, um die Rückkehr zu Intuition, zu Emotionen. Wir müssen den Menschen Freude bereiten – das ist die Essenz des Jobs.“


