Dampf ablassen

  /  12.04.2016

Modemacher Raf Simons ist offenbar froh darüber, dass er dem großen Modekonzern Dior den Rücken gekehrt hat. Für die Zukunft der Fashion-Industrie hat der Kreative allerdings nicht so rosige Aussichten parat.

Raf Simons

Raf Simons verkündete im vergangenen Oktober, dass er das Luxus-Label Dior nach dreieinhalb Jahren als Kreativdirektor verlassen würde, unter anderem weil ihm der Stress und Druck zu viel waren. Aktuell konzentriert er sich auf seine eigene Marke und die Zusammenarbeit mit dem dänischen Brand Kvadrat – nahezu eine Oase der Ruhe. „Es gibt keine Eile“, so der 48-Jährige erleichtert. „Natürlich ist jeder glücklich, dass es gut läuft, aber es gab niemals irgendwelche Erwartungen. [Das Kvadrat Team] glaubt an mich.“ Bei Dior habe er bis zu acht Kollektionen mit insgesamt 150 verschiedenen Stoffen pro Jahr kreieren müssen, bei Kvadrat habe er bislang lediglich drei neue Stoffe entworfen. „Es ist toll, dass ich mir so viel Zeit zum entwickeln lassen darf“, verriet der Belgier gegenüber dem Telegraph.

Über eine Sache könnte sich Simons aktuell aber besonders aufregen: „Momentan gibt es diese große Debatte: ‚Oh mein Gott, wir sollten die Klamotten sofort nach der Show verkaufen, oder erst drei Tage danach – oder sollten wir darüber tweeten oder instagramen oder was?’ Das ist doch alles Bullsh**. Wird das irgendjemanden in 30 Jahren noch interessieren? Ich glaube nicht“, so der Modemacher. „Was wir uns wirklich fragen sollten: Haben wir ausreichend kreative Leute, die stark und engagiert genug sind, diesem Modezirkus überhaupt noch beizutreten. Viele stellen das nämlich gerade in Frage. Meine Generation verlagert sich aktuell. Designer wie Marc [Jacobs] und ich sind jetzt schon über 20 Jahre dabei. Wir wissen, wie Mode früher war und wo sie hingeht. Die Frage ist nun, was wir bereit sind, zu tun und wie.“