Chanels Geschichten
/ 09.01.2013Karl Lagerfeld versucht als Kreativdirektor von Chanel nicht nur mit den Kollektionen die Geschichte des Labels einzufangen, sondern auch mit den Fashion Shows. Doch wie passt dieses Konzept zu der texanischen Stadt Dallas?

Karl Lagerfeld
Nachdem die Metiers d’Art-Show von Chanel zuletzt in Schottland stattfand, wählt Karl Lagerfeld die US-amerikanische Millionenstadt Dallas als nächste Projektionsfläche. „Um das genaue Gegenteil zu tun, gehe ich mit der nächsten Show nach Dallas“, erzählt der Kreativdirektor von Chanel beim jährlichen WWD Apparel & Retail-Treffen in New York.
Als Grund für die Wahl gibt der 79-Jährige zunächst ganz pragmatische Gründe an. „Ich liebe Texas. Ich liebe Texaner.“ Doch Lagerfelds Entscheidung für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat noch einen weiteren Ursprung. „Als Chanel wiedereröffnete, war die französische Presse mehr als fies. Die einzige Presse, die es umgehend verstand, war die amerikanische – ich denke, daher ist es schön, dahin zu gehen.“
Lagerfeld erklärt zudem, wie der angemessene Veranstaltungsort für die Vorführung aussehen muss. Unabdingbar sei dabei eine unbestimmte Verbindung zwischen dem Ort und der Marke beziehungsweise deren Gründerin Coco Chanel. „Bei Schottland war das einfach, weil ihr Lover mit ihr in Schottland auf die Jagd ging und dabei den Tweed entdeckte“, erzählt der Modeschöpfer. „Sie war auch oft in Venedig, weshalb ich in Venedig präsentierte. Sie hatte einen russischen Lover und liebte russische Kunst, also machte ich eine Show in Russland.“ „Ich versuche, eine Verbindung zu finden, doch manchmal ist die Verbindung nur sehr vage. Bei Texas ist es nur ein Detail, aber mit kleinen Details, kann man eine ganze Geschichte erzählen“, weiß der gebürtige Hamburger und fügt hinzu: „Ich bin ein Geschichtenerzähler.“


