Nach zwei Jahren ist am 8. Juni 2015 der Entschädigungsfonds für die Opfer von Rana Plaza vollständig gefüllt worden. Durch eine anonyme Spende wurde die Zielmarke von 30 Mio. US-Dollar erreicht, nachdem noch vor einem Monat, dem zweiten Jahrestag des Unglücks, 2,4 Mio. US-Dollar fehlten. „Ohne die Unterstützung der vielen Bürgerinnen und Bürger, die in den letzten zwei Jahren die Forderungen der Opfer von Rana Plaza unterstützt haben, wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen“, sagt Berndt Hinzmann von Inkota. „Das ist ein Beweis dafür, dass solidarisches Handeln etwas verändern kann.“ Mit öffentlichen Protestaktionen vor den Filialen der Markenfirmen, Online-Aktionen und Petitionen haben Menschen weltweit die Textilunternehmen immer wieder aufgefordert, in den Fonds einzuzahlen.
Hinzmann erklärt weiter, dass der öffentliche Druck durchaus politisch sinnvoll flankiert wurde. Daran müsse nun aber weiter angeknüpft werden: „Politikerinnen und Politiker haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass in ähnlichen Situationen den Opfern schnell und umfassend geholfen wird und Industrie und Wirtschaft für die verursachten Schäden haften. Die Politik muss verbindliche Instrumentarien für die Entschädigung, Haftung und Sorgfaltspflicht von Unternehmen und Händlern entwickeln, damit diese in Zukunft selbstverständlich sind und nicht erst in Kraft treten, wenn öffentlicher Druck es für die Firmen unmöglich macht, weiter untätig zu bleiben.“ Inkota und die Kampagne für Saubere Kleidung begrüßen daher eine neue Initiative der Internationalen Arbeitsorganisation, die vorsieht, für die vier Millionen Beschäftigten im Textilsektor in Bangladesch ein nationales Programm zur Prävention und zum Umgang mit Unfällen am Arbeitsplatz zu entwickeln.
