Südwesttextil hat eine fachliche Einordnung zum Textilrecycling veröffentlicht und fordert, mögliche Rezyklatquoten erst nach dem Aufbau tragfähiger Kreislaufstrukturen festzulegen.
Ein Rezyklat ist ein Rohstoff, der aus Abfällen zurückgewonnen wird. Eine Rezyklatquote würde Herstellern vorschreiben, einen festgelegten Mindestanteil solcher wiedergewonnenen Materialien in ihren Produkten einzusetzen. Südwesttextil warnt davor, diese Vorgabe einzuführen, bevor geeignete Stoffströme, Sortierung, Recyclingkapazitäten und Absatzmärkte vorhanden sind.
Nach Angaben des Verbands gibt es für einzelne, klar definierte Textilabfälle geeignete Recyclingverfahren. Für die Breite der real anfallenden Mischtextilien fehle aber weiterhin ein flächendeckendes, industriell verfügbares und wirtschaftlich tragfähiges Faser-zu-Faser-Recycling. Farben, Ausrüstungen, unterschiedliche Fasern und kleine Mengen erschwerten die Sortierung und Vorbehandlung zusätzlich.
„Eine Quote schafft weder geeignete Stoffströme noch Recyclingkapazitäten oder Absatzmärkte“, erklärt Edina Brenner, Hauptgeschäftsführerin von Südwesttextil. Der Verband fordert deshalb, die nationale Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien vorrangig für den Aufbau von Sammel-, Sortier- und Verwertungsstrukturen zu nutzen.
Die EU-Abfallrahmenrichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis April 2028 Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien und Schuhe einzurichten. Diese sollen Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Behandlung finanzieren. Ob die EU zusätzlich Ziele für Abfallvermeidung, Sammlung, Wiederverwendung oder Recycling von Textilabfällen setzt, prüft die Kommission erst bis Ende 2029.
Key Facts
Verband: Südwesttextil
Veröffentlichung: 28. September 2026
Thema: Textilrecycling und mögliche Rezyklatquoten
Kernforderung: erst Kreislaufstrukturen aufbauen, dann Zielwerte prüfen
EU-Vorgabe: Textil-EPR-Systeme bis April 2028
EU-Überprüfung: mögliche textile Zielwerte bis 31. Dezember 2029
