Die Modeindustrie zeigt sich zwiegespalten in Bezug auf das von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) anberaumte Textilbündnis. Zur tatsächlichen Unterzeichnung am 16.10.2014 fehlten mehr als die Hälfte der Firmen und Verbände, die sich an der Initiative beteiligen sollten. Insbesondere große Namen wie der Handelsverband Deutschland (HDE), Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) sowie die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e.V. (AVE) teilten zwar die Ziele des Bündnisses, der Aktionsplan sei jedoch ein erster Orientierungsrahmen für eine textile Wertschöpfungskette, in Gänze allerdings noch nicht ausgereift. Trotz schwacher Resonanz schlossen sich 29 Unternehmen und Organisationen der Initiative an, darunter die Aid by Trade Foundation oder Marken wie Hess Natur. Greenpeace distanziert sich von dem Bündnis, da es keine gesonderte Verbotsklausel für die Verwendung von Chemikalien während des Produktionsprozesses gebe, schließlich habe die Detox-Kampagne gezeigt, dass Unternehmen durchaus bereit seien, sich zu einem solchen Versuch zu verpflichten. Dem gegenüber steht die Meinung diverser Ausrüster, die beispielsweise feuerschutzsichere Kleidung herstellen: Auch problematische Chemikalien könnten nicht einfach aus der Produktion verbannt werden, da nicht jeder Stoff umgehend ersetzt werden könne.
Der zu hohe Anspruch Müllers stelle das Hauptproblem der kontroversen Meinungen dar. Die Ambition, jede Produktionsstufe des Herstellungsprozesses vom „Baumwollfeld bis zum Kleiderbügel“ überwachen zu können, sei unrealistisch. Die Kette ist weit verzweigt, so vergeben Unternehmen Aufträge an Agenturen, die ihrerseits wiederum Subunternehmer beauftragen. Transparenz gilt als wichtiger Standard, kann jedoch nicht in dem von Müller gewollten Umfang geleistet werden. Um „Verbesserungen für die in den Schwellenländern arbeitenden Menschen in der notwendigen Breite zu erreichen“, sei der Aktionsplan in seiner jetzigen Fassung nach Meinung des HDE noch nicht geeignet.
Müllers Vehemenz, das Bündnis vor allem deutschland- jedoch nicht europaweit durchzusetzen und damit als Vorreiter agieren zu können, könnte zur Brüskierung beigetragen haben. Die durchaus verallgemeinernde Aussage des Bundesentwicklungsministers, wer nicht bereit sei, einen Euro mehr für seine Jeans zu bezahlen, trage Mitschuld am elenden Schicksal der Textilarbeiterinnen in Ländern wie Bangladesch und Kambodscha, stieß offenbar nicht überall auf Gleichgesinnung. Als gescheitert mag das Bündnis nicht gelten, wenn auch nicht perfekt, sei es aber eine „Grundlage“, so Franziska Humbert von der Entwicklungs-NGO Oxfam gegenüber dem Wall Street Journal Deutschland, auf der man gemeinsam aufbauen könne.
Textilbündnis spaltet Branche
/ 16.10.201429 Unternehmen und Verbände sind dem Textilbündnis des Bundesentwicklungsministers Gerd Müller beigetreten, große jedoch zögerten aus folgenden Gründen…

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