Europas Textil- und Bekleidungsbranche erhöht den Druck auf Brüssel. In einer gemeinsamen Erklärung bei der Première Vision in Paris fordert sie eine EU-weite Handling-Gebühr von rund zehn Euro auf niedrigpreisige Pakete aus Drittstaaten. Die bislang diskutierten zwei bis vier Euro reichen aus Sicht der Verbände nicht aus, um die Kosten von Zoll, Marktüberwachung, Risikoanalyse und Produktsicherheit angemessen abzudecken.
Die Branche begrüßt die Abschaffung der bisherigen Zollfreigrenze bis 150 Euro und den seit Juli geltenden vorläufigen Drei-Euro-Zoll. Dieser wird je Warenposition beziehungsweise Tarifposition in einer Kleinsendung erhoben. Die Verbände sehen darin jedoch nur einen ersten Schritt.
Die Einnahmen aus einer zusätzlichen Handling-Gebühr sollen gezielt in Zollkontrollen, Marktüberwachung, Risikoanalyse und Produktsicherheit fließen. Einen allgemeinen Steuer- oder Nachhaltigkeitsaufschlag lehnt die Branche ausdrücklich ab. Die rund zehn Euro versteht sie dabei als Richtwert; die endgültige Höhe soll sich an den tatsächlichen Kontrollkosten orientieren.
Zugleich sollen Onlineplattformen stärker in die Verantwortung genommen werden. Die Verbände wollen, dass sie bei Einfuhren klarer für die Einhaltung der Zollregeln haften. Außerdem soll verhindert werden, dass strengere Regeln für Einzelpakete durch Sammelimporte, EU-Lager oder Fulfillment-Zentren umgangen werden.
Der Aufruf richtet sich ausdrücklich an die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten. Hinter der Initiative steht unter anderem EURATEX als europäischer Dachverband der Textil- und Bekleidungsindustrie; französische Branchenverbände treiben sie maßgeblich mit voran. Es geht damit nicht um eine französische Sonderregel, sondern um eine EU-weite Lösung.
Bereits 2025 hatten mehr als 20 europäische Textil- und Bekleidungsverbände bei der Première Vision schärfere Regeln gegen Ultra-Fast-Fashion gefordert. Damals verwiesen sie auf 4,5 Mrd. importierte Pakete in die EU im Jahr 2024. Zu den Unterzeichnern gehörte auch der deutsche Gesamtverband textil+mode.
Key Facts
Thema: Ultra-Fast-Fashion-Importe
Forderung: EU-weite Handling-Gebühr von rund 10 Euro je Paket
Status: Richtwert, endgültige Höhe soll sich an tatsächlichen Kontrollkosten orientieren
Bisher diskutiert: rund 2 bis 4 Euro
Seit 1. Juli 2026: vorläufiger Zoll von 3 Euro je Warenposition/Tarifposition in Kleinsendungen bis 150 Euro
Zollfreigrenze: frühere Befreiung bis 150 Euro abgeschafft
Zweck der geforderten Gebühr: Zollkontrollen, Risikoanalyse, Marktüberwachung und Produktsicherheit
Plattformen: stärkere Verantwortung für Zollkonformität gefordert
Umgehung über Sammelimporte und EU-Lager: soll verhindert werden
Adressaten: EU-Kommission und Mitgliedstaaten
Beteiligte: unter anderem EURATEX, UFIMH und UIT
