Shopping braucht Gesellschaft

  /  16.06.2026

Innenstädte sind Einkaufsorte, aber nicht nur. Gerade jüngere Verbraucher*innen erwarten mehr als Ware, kurze Wege und günstige Preise…

Der Besuch in der Innenstadt ist für viele Verbraucher*innen weiterhin mit Einkauf, Erledigungen und Convenience verbunden. Für jüngere Zielgruppen reicht das aber nicht mehr aus. Der HDE-Standortmonitor zeigt, dass Citybesuche stärker als soziale und freizeitbezogene Anlässe verstanden werden: Freund*innen treffen, sich treiben lassen, der Besuch von Cafés und Restaurants, Unterhaltung suchen und Zeit verbringen.

Für den stationären Handel verschiebt sich damit die Erwartung an den Standort. Ware bleibt wichtig, aber sie steht nicht mehr allein. Wer junge Kund*innen in die City holen will, konkurriert nicht nur mit Onlinepreisen und Liefergeschwindigkeit, sondern auch mit Freizeitangeboten, Gastronomie, Aufenthaltsqualität und dem Gefühl, dass ein Innenstadtbesuch mehr bietet als eine erledigte Besorgung.

Die CIMA Deutschlandstudie Innenstadt 2024 stützt diese Richtung. Sie sieht den Einzelhandel weiterhin als wichtige Leitfunktion, betont aber zugleich den Nutzungsmix. Gastronomie, Stadtbild, Aufenthaltsqualität und Handelsbesatz gehören für Besucher*innen zu den zentralen Faktoren, die eine Innenstadt attraktiv machen. Der Laden ist damit Teil eines größeren Umfelds.

Für Händler*innen bedeutet das eine andere Rolle im Stadtraum. Ein Geschäft muss nicht zum Event-Ort werden, aber es profitiert von Frequenz, Nachbarschaft und Aufenthaltsqualität. Sortiment, Beratung, Schaufenster, Services und lokale Aktionen wirken stärker, wenn das Umfeld selbst als Ort funktioniert, an dem Menschen gern Zeit verbringen.

Der Druck bleibt hoch. Creditreform und HRI verweisen darauf, dass die Zahl der Einzelhandelsbetriebe in Deutschland zwischen 2010 und 2025 deutlich gesunken ist. Gerade kleinere, inhabergeführte Geschäfte verschwinden aus vielen Innenstädten. Umso wichtiger wird die Frage, welche Funktionen Innenstädte künftig übernehmen können, wenn sie nicht allein über den Einkauf getragen werden.

Für den Modehandel liegt darin auch eine Chance. Bekleidung, Schuhe und Accessoires leben stärker als viele andere Sortimente von Atmosphäre, Anprobe, Beratung und spontanen Entdeckungen. Wenn die Innenstadt wieder stärker als sozialer Raum funktioniert, kann der stationäre Handel davon profitieren – vorausgesetzt, Sortiment und Standortgefühl passen zusammen.

Key Facts
Studie: HDE-Standortmonitor 2024
Weitere Quelle: CIMA Deutschlandstudie Innenstadt 2024
Kontext: Creditreform/HRI-Analyse zum Rückgang der Einzelhandelsbetriebe
Thema: Innenstadtbesuch, soziale Kontakte, Aufenthaltsqualität
Kernpunkt: Jüngere Verbraucher*innen nutzen Innenstädte stärker als Freizeit- und Begegnungsräume
Relevanz für Händler*innen: Sortiment allein reicht weniger aus
Wichtige Faktoren: Gastronomie, Stadtbild, Aufenthaltsqualität, Handelsmix
Strukturhintergrund: Zahl der Einzelhandelsbetriebe 2010 bis 2025 um rund 16% gesunken
Zielgruppe: Händler*innen, Stadtentwickler*innen, Center- und Standortmanager*innen

 

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