Die Bundesregierung plant für 2014 die Einführung eines Textilgütesiegels, das die deutsche Modeindustrie zur Einhaltung sozialer sowie ökologischer Mindeststandards drängen soll. Rund ein Jahr nach den Fabrikunglücken in Bangladesch hatte sich Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) gegenüber der Welt am Sonntag geäußert, Deutschland wolle damit Vorreiter in Europa sein, die Kollegen aus Frankreich und den Niederlanden hätten bereits ebenfalls signalisiert, dass sie sich der Initiative anschließen wollen.
Der Minister verlangt zunächst eine „Selbstverpflichtung“ der Branche. Man brauche nicht nur soziale Standards, die Themen wie Mindestlohn und Arbeitsschutz behandeln, sondern darüber hinaus ökologische, die Richtlinien für Gerbereien sowie die Arbeit mit Chemikalien setzen. Müller erwarte von der deutschen Textilindustrie eine Garantie der vereinbarten Standards für die gesamte Produktionskette vom Baumwollfeld bis zum Bügel. Sollte dies nicht „auf freiwilliger Basis“ funktionieren, wolle man einen gesetzlichen Rahmen schaffen.
Zudem solle es künftig ein Portal im Internet geben, das es allen Verbrauchern ermögliche, zu überprüfen, ob der Hersteller die geforderten Mindeststandards einhalte. Der Minister ist der Ansicht, dass sich nach dem Einsturz der Fabriken „viel zu wenig“ getan habe, die bisher geleistete Unterstützung der Unternehmen genüge einfach nicht.
Der Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE), Jan Eggert, steht den Plänen mit Skepsis gegenüber: „Entwicklungshilfeminister Gerd Müller will den Modehandel verpflichten, ‚vom Baumwollanbau bis zum Bügel’ Öko- und Sozialstandards zu garantieren. Eine solche Verpflichtung würde aber bedeuten, dass Bekleidung für breite Bevölkerungsschichten unerschwinglich wäre. Von den Folgen für die Arbeitsplätze im deutschen Textilhandel und in der Produktion in den Lieferländern ganz zu schweigen. Die Lieferketten sind so verzweigt und komplex, dass es praktisch gar nicht möglich ist, jede Stufe des Produktionsprozesses lückenlos zu überwachen.“
Der Ruf nach immer stärkerer Kontrolle möge sich gut anhören, sei jedoch völlig realitätsfern, konstatiert Eggert weiter. Dass der Modehandel eine Mitverantwortung für die sozialen Verhältnisse in den Lieferländern trägt, stehe außer Frage. „Undurchführbare Vorschriften führen aber nur noch zu mehr Etikettenschwindel. Nur wenn bei den Verantwortlichen vor Ort das Bewusstsein für gute Arbeitsbedingungen wächst, werden sich die Arbeitsbedingungen wirklich nachhaltig verbessern. Diesen Prozess kann der Handel fördern und begleiten, was er mit der von der AVE initiierten Business Social Compliance Initiative (BSCI) seit über zehn Jahren bereits tut.“
Regierung plant Textilgütesiegel
/ 07.04.2014Entwicklungsminister Gerd Müller will in diesem Jahr ein Textilsiegel für nachhaltige Mode in Deutschland einführen und damit in Europa zum Vorreiter werden…

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