Produktion: Korruption behindert Sozialstandards

  /  11.02.2015

Das Bewusstsein für Sozialstandards in Produktionsländern glauben Unternehmen geschärft, eingehalten respektive umgesetzt werden sie jedoch nur bedingt…

93% der der Business Social Compliance Initiative (BSCI) angehörenden Unternehmen glauben, dass sich das Lieferantenbewusstsein für Sozialstandards in Billiglohnländern verbessert habe, eine 100%ige Garantie gebe es laut 87% der Befragten allerdings nicht. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e.V. (AVE). „In den letzten Jahren sind in den Lieferländern zunehmend bessere Gesetze zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen erlassen worden“, so AVE-Hauptgeschäftsführer Jens Nagel. „Allerdings werden diese Gesetze meist umgangen oder nicht durchgesetzt.“ Für 73% der Teilnehmer ist letzteres der Hauptgrund, weshalb Sozialstandards in Produktionsländern nicht eingehalten werden; 60% gehen davon aus, dass die um sich greifende Korruption eine wichtige Ursache ist, während 56% den zunehmenden Preisdruck im Einzelhandel für die nur geringen Fortschritte verantwortlich machen.

Eine Erhöhung der Preise ist für 80% allerdings kein geeignetes Instrument zur Einhaltung der Standards, da nicht sichergestellt sei, dass die finanziellen Mittel auch tatsächlich zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt werden. Das Anheben würde bei dem Gros der Kunden ohnehin auf keinerlei Akzeptanz stoßen, glauben 71% der Unternehmen. Für 40% gestaltet sich ein solcher Vorschlag im Bereich Massenproduktion sogar unrealistisch. „Die Umfrage macht deutlich, dass die Verbesserung von Sozialstandards ein komplexes Projekt ist, bei dem viele Akteure gefordert sind – der Handel, die Verbraucher und die Verantwortlichen vor Ort“, so Nagel. Wirklich nachhaltige Fortschritte werde man daher nur erzielen, wenn vor Ort ein Bewusstseinswandel stattfinde und die beschlossenen Gesetze auch tatsächlich durchgesetzt würden: „Dazu sind die Regierungen in den Lieferländern in der Pflicht.“

Der 2003 gegründeten BSCI gehören derzeit rund 1.500 Handelsunternehmen, vor allem aus Europa, an. Rund 600 der Unternehmen kommen aus Deutschland – darunter Kaufhof, Puma, Otto, Tchibo, Lidl oder C&A.

FÜR DEN VOLLSTÄNDIGEN INHALT DIESER SEITE, MELDEN SIE SICH BITTE AN.

Noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt für den kostenfreien 1st-blue-Business Club.
Als Teil unserer Community erhalten Sie Zugriff auf Branchen-News, Orderinfos, Netzwerktools und den wöchentlichen B2B-Newsletter.