Paul Lister, Chefjurist bei Associated British Foods (ABF), der Mutter der Bekleidungskette Primark, plant die Bausicherheit in allen rund 100 Textilfabriken in Bangladesch, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet, durch die Internationale Arbeiterorganisation kontrollieren zu lassen. Lister, der seit den örtlichen Fabrikunglücken zudem als Chefaufklärer fungiert, zeigt sich trotz der Gebäudeeinstürze – wie dem der Produktionsstätte Rana Plaza – stolz, Teil des Unternehmens zu sein, lässt er im Interview mit dem Tagesspiegel verlauten.
Dies begründet er damit, dass Primark sich als erster Konzern dazu bekannt habe, in dem bangladeschischen Betrieb produzieren zu lassen sowie den Betroffenen vor allen anderen Entschädigungen offeriert zu haben. Zudem habe man Nahrungsmittel gespendet, Überbrückungshilfen bereitgestellt und als erstes britisches Unternehmen das Brandschutz- und Gebäudesicherheitsabkommen unterzeichnet.
Auf die Aussage, dass insbesondere die Kette von den niedrigen Löhnen der Arbeiter in Billiglohnländern profitiere, erwidert Lister, dass dies viele westliche Firmen in höherem Maße tun. Der geringe Verlaufspreis läge vor allem mit der Masse an Gütern zusammen, nicht mit der geringen Vergütung. In denselben Fabriken von denselben Arbeiterinnen ließen Marken produzieren, die im Verkauf eine deutlich höhere Summe veranschlagen, der Ladenpreis sei kein Indikator dafür, unter welchen ethischen Umständen die Ware entstanden ist.
„Ich behaupte sogar, unsere Ware ist fairer hergestellt, weil wir genauer hinschauen und uns ethische Fragen wichtig sind. Wir sind ein führendes Mitglied in der Ethical Trade Initiative, in der Unternehmen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen – NGOs – zusammengeschlossen sind“, so Lister gegenüber dem Tagesspiegel. Sich generell aus Bangladesch zurück zu ziehen, betitelt der Chefjurist als Fehler, da 80% der Exporte aus dem Bereich Textilien sind und das Land vor allem davon lebt. Primark selbst lasse lediglich 10% der Waren dort anfertigen, der Rest werde in Indien, der Türkei und Osteuropa hergestellt.
