Munich Fabric Start: „solide Messe“

  /  05.02.2026

Mit einer stabilen Besucherfrequenz endete die Januar-Ausgabe der Munich Fabric Start. Die neue Area-Anordnung im MOC habe den Austausch gestärkt und Synergien gefördert...

„Solide Messe. Optimistisches Mindset“ – so lautet das Fazit zur Munich Fabric Start, die am 29. Januar 2026 nach drei Messetagen mit den integrierten Show-in-Shows Bluezone, Keyhouse und The Source zu Ende gegangen ist. Die Textilmesse schloss mit einer laut Veranstalter stabilen Besucherfrequenz im Vergleich zur vergangenen Veranstaltung ab. Rund 1.000 Kollektionen von internationalen Stoff- und Zutatenherstellern zeigten im MOC München ihre Farb- und Materialtrends für Spring/Summer 2027. 

„Fazit? Solide! Mit diesem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass wir unter erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen agieren. In diesen Zeiten ist es umso wichtiger, für Aussteller und Besucher eine verlässliche Plattform zu sein, die die wichtigen Player des Marktes zusammenbringt. Das ist uns gelungen. Das Leitthema Pleasure setzt auf ein optimistisches Mindset. Auch das hat sich auf der Messe deutlich widergespiegelt“, so Florian Klinder, Geschäftsführer, Munich Fabric Start.

Spring/Summer 2027: Gegenpole setzen 

„Es ist eine Zeit radikaler Veränderungen. Viele Menschen sind von Pessimismus geprägt und wollen am Status quo festhalten. Feigheit ist unser Problem. ‚Polite Fashion‘ ist das Ergebnis“, provozierte Trendforscher David Shah von View Publications auf der Stage. Umso wichtiger sei es, gegenzusteuern. „Wir bewegen uns in einem herausfordernden Marktumfeld, in einer schwierigen Zeit. In der Modebranche setzt das aktuell eine unheimliche kreative Energie frei. Es geht darum, einen positiven Gegenpol zu setzen“, so eröffneten die MFS-Trendexperten Volker Orthmann und Katharina Majorek von o/m Collective ihren Trendvortrag „Pleasure – Colours, Fabrics, Styling (Wo)mens Key Trends for Spring.Summer 27“. Nachdem die modische Grundrichtung lange durch Pragmatismus und Neutralität geprägt gewesen sei, richte sich der Blick jetzt nach vorne. Mit dem übergreifenden Leitthema „Pleasure“ habe die Munich Fabric Start diese Trendentwicklung modern inszeniert und erlebbar gemacht. 

Farbe, Drucke und Struktur als modische Treiber 

Modisch markiere die neue Saison einen Wendepunkt, hin zu bewusster Erneuerung. Farbe, Drucke und Struktur seien zentrale Impulsgeber. Für viele Visitors sei die Munich Fabric Start erneut ein wichtiger Trendkompass gewesen. „Wir waren davor in Mailand und haben dort schon viel gesehen. Jetzt geht es darum, die Farbkonzepte und Entwicklungen für Frühjahr/Sommer fertig zu stellen. In München können wir an ein bis zwei Tagen gebündelt sehen, in welche Richtung es geht. Wir holen uns hier viel Inspiration und die Messe ist toll für den Trend Research […]“, so Xenia Haumer, Creative Concept Lead, Riani. 

Preis, Marge, Konsum


„Das Zauberwort lautet: Marge. Themen wie Handfeel, Qualität, Finish sind für den deutschen Markt im Moment völlig zweitrangig. Die Wertschätzung für Hochwertigkeit fehlt“, bedauert Mladen Pototschnik, Sales, Albini & Thomas Mason. Er verweist auf eine weiter steigende Preissensibilität und sieht auch in der Messeentwicklung einen Indikator dafür, „dass sich die deutsche Bekleidungsindustrie sehr schwertut.“ Eser Kaygusuz, Sales Head von Yünsa: „Die Stimmung in Deutschland ist angespannt. Die Preissensibilität ist hoch, die Konsumstimmung schlecht. Das zeigt sich nicht nur im Textilbereich, sondern auch bei den Zahlen der Automobilindustrie. Dennoch, der erste Messetag war gar nicht schlecht. Viele wichtige Kunden wie Seidensticker, Hugo Boss und Digel waren schon da.“ Trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen sei die Messe von Aussteller- und Besucherseite konstruktiv genutzt worden. 

Compliance, KI, Circularity

Neben Trends zählten vor allem regulatorische Anforderungen wie der Digital Product Passport, Digitalisierung, KI und zirkuläre Modelle zu den inhaltlichen Schwerpunkten des Vortragsprogramms. „Es geht nicht nur um Kosten und Optimierung. Ein zentrales Thema ist, wie politische Vorgaben ins Sourcing übersetzt werden können und wie sich Compliance durch konsistente Daten sicherstellen lässt“, betont Politikberaterin Muchaneta ten Napel von Shape Innovate. Während der drei Messetage diskutierte sie gemeinsam mit zahlreichen Expertinnen und Experten auf den Panels Themen wie diese. Deutlich wurde in Round Tables, Talks und Vorträgen der hohe Veränderungsdruck, der auf die Branche zukomme. 

Angewandte neue Technologie- und Systemlösungen präsentierte das Keyhouse. Im Fokus standen Transparenz, Vertrauen und der Übergang zur Kreislaufwirtschaft – von der Stärkung resilienter, zirkulärer Prozesse bis hin zu marktreifen Innovationen. Zu den Highlights zählten eine neue Technologie zur Smartphone-basierten Authentifizierung von Fakes oder Originalen von Original-ID sowie das erstmals vorgestellte Rücknahmesystem von Trove für Wiederverkauf und Recycling. 

Forschungsnahe Projekte, bei denen Nachhaltigkeit kulturell und systemisch gedacht wird, wurden im Sustainable Innovations Forum kuratiert. Zu den Teilnehmenden zählten Marie Vilay mit den Projekten „To Read a Pattern“ und „A Bindle“, Materia Futura von Alessia Pasquini und Beatriz Sandini sowie „Threaded Protocols“ von Floor Berkhout. Eine weitere Messeneuheit mit Nachhaltigkeitsanspruch: die Kooperation von Dirt und Loads Collection mit der ersten Demeter-zertifizierten Textilkollektion. 

Bluezone: Unperfekt – perfekt

Die Bluezone zeigte ein vielschichtiges Denim-Bild zwischen „urbaner Strenge, funktionaler Reduktion und sinnlicher Opulenz“. Nachhaltige Materialien, handwerkliche Details und innovative Oberflächen rücken den Wert des Materials ebenso in den Fokus wie Individualität und Emotion. Einen zentralen Trend beschrieb Tilmann Wröbel vom Denim Lifestyle Studio Monsieur-T. in seinem Vortrag „The perfect time for denim imperfection“: „Hyperperfektion durch AI? Für die Denim-Industrie liegt der aktuelle Trend im Gegenteil: in der Idee der Unperfektheit […].“ Auch im Rahmen der Bluezone standen innovative Materialentwicklungen und ressourcenschonende, zirkuläre Produktionsprozesse im Vordergrund, mit Denim-Herstellern wie Berto, Bossa, Calik, Isko, Orta, Sharabati, Tejidos Royo und Troficolor Denim Makers. Philipp Walendy, Geschäftsführer von Alberto: „Alle sind da, ca. 95 % unserer Lieferanten. Das haben wir nirgendwo anders.“ 

Raum für neue Lösungen 

Die neue Anordnung der acht Areas im MOC stärke den Austausch, schaffe mehr Sichtbarkeit und fördere Synergien. Was sich verändert hat: Nachhaltiges Sourcing mit Resource wurde neu positioniert und befindet sich nun gemeinsam mit den Additionals in Halle 1 in direkter Nachbarschaft zu The Source. Bluezone und Keyhouse inklusive der Sustainable Innovations sind im hochfrequentierten Bereich in Halle 2 gelegen. Die Design Studios liegen nun noch zentraler in Halle 4 und schließen an den großen Bereich der Fabrics an, die sich weiterhin über die Hallen 3, 4 und das Atrium 3 verteilen. 

Die nächste Ausgabe der Munich Fabric Start mit The Source, Bluezone und Keyhouse für die Herbst/Winter-Saison 2027/28 findet vom 14. bis zum 16. Juli 2026 statt. 

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